Michael Leutert
Foto: a.m.
|
Heute ist es also gesprochen worden, das lang erwartete Urteil im sogenannten Hakenkreuzfall-Mittweida: Die angeklagte Jugendliche soll den Überfall von Nazis samt Körperverletzung erfunden haben. Dafür wurde sie zu 40 Arbeitstagen verurteilt.
Falls das Urteil Rechtskraft erlangt, wird damit zugleich eine seit langen Monaten andauernde Medienberichterstattung ihren letzten Höhepunkt erfahren.
Wer den Fall in der Presse verfolgt hat, konnte - bis auf wenige Ausnahmen - eine Vorverurteilung miterleben, die über bestehende ernsthafte Zweifel (z.B. über den dubiosen Hamburger Gutachter), hinwegging und vom eigenen Wunschdenken, dass das mit den Rechten ja gar nicht so schlimm sein solle, getrieben wurde. Wie anders lässt sich u.a. der hämische Hinweis werten, dass der Jugendlichen ja sogar noch ein Preis für Zivilcourage verliehen worden sei? Impliziert er doch die Behauptung, dann seien die gesellschaftlichen Träger des Kampfes gegen Rechts wohl auch sonst nicht immer glaubhaft.
Die öffentliche Debatte um den Prozess hält unserer Gesellschaft den Spiegel vor: Einer Gesellschaft, die eine junge Frau - die vielleicht etwas falsch gemacht hat, vielleicht auch unschuldig ist - für die Verharmlosung der rechten Gefahr instrumenatisiert; einer Gesellschaft, die angesichts einer möglichen Lüge laut Skandal schreit, obwohl der eigentliche Skandal dieses Land ist, in dem der 'Hakenkreuzfall' deshalb so glaubhaft ist, weil Überfälle von Nazis alltäglich sind.