DIE LINKE.

Michael Leutert, MdB (DIE LINKE.)


04.02.2010

Ein Jude schreibt Ihnen

Elias Davidsson Henri-Spaak
Sehr geehrter Herr Leutert,

Als jüdische Person, dessen Eltern wegen der nationalsozialistischen
Verfolgungen nach Palästina emigrieren mussten, bin ich in Palästina
1941 geboren. Ich fühle mich unwohl gegenüber Ihren Bemühungen, den
Holocaust zu sakralisieren und die Verbrechen des Staates Israels zu
verharmlosen, wie es mir aus Ihrer heutigen Polemik erscheint.

Ich möchte Sie bitten, in Betracht zu ziehen, dass die Verbrecher des
NS-Regimes praktisch alle tot sind. Sie können keine Verbrechen mehr
begehen. Einige der größten Nazi-Verbrecher wurden mit Recht zur
Rechenschaft gezogen. Abertausende Bücher über das Holocaust wurden
publiziert, unzählige Filme gedreht, dutzende von Museen eröffnet.
Juden sind freilich sehr tüchtig, aus ihrer Tragödie eine Tugend zu
machen und die Europäer mit dem erhobenem Zeigefinger zu ermahnen:
Ihr habt kein Recht, unsere Verbrechen zu kritisieren. Die vielen
Bücher, Filme und Museen über die Sklavenpolitik der europäischen
Kolonialmächte warten noch , produziert zu werden, oder liegt es
daran, dass die Afrikaner keine "jüdische Lobby" in Europa haben,
deren Vertreter am Tische der Regierenden sitzen dürfen. Auch das
Museum für die halbe Million Kinder, die im Irak durch die Sanktionen
ermordert wurden, ist noch nicht gebaut worden: Auch die Iraker
haben noch viel zu viel zu tun, bevor sie für ihren Holocaust Lärm
machen können. Sie haben auch keine "jüdische Lobby", um ihren
Anliegen zu fördern. Die guten Seelen Deutschlands tanzen nach dem
Geldgeber, nicht nach dem, was anständig ist.

Meine Mutter erhielt eine großzügige finanzielle Wiedergutmachung aus
Deutschland. Dafür bin ich sehr dankbar. Ich weiß nicht, ob diese
Großzügigkeit auf einer deutschen Initiative beruhte oder auf Druck
der amerikanischen "jüdischen Lobby" zustande kam. Ich möchte gerne
glauben, dass es eine authentische Maßnahme Deutschlands gewesen war,
das heute irrtümlicher Weise den Staat Israel als den Vertreter aller
Juden betrachtet. Die Israelis sollten immerhin Deutschland für
diese Wiedergutmachung als Modell nehmen, um ihre eigene Opfer - die
Palästinenser - zu entschädigen. Das tun sie aber nicht. Im
Gegenteil: Sie bombardieren sie. Die Palästinenser schmoren im Ghetto
Gaza und in Sabra und Shatila im Lebanon oder wurden nach der
Eroberung des Iraks von dort vertrieben. Sie haben keine "jüdische
Lobby" in Deutschland, die die Medien erpressen kann. Haben Sie für
diese miserablen Menschen, ohne Vertreter in Deutschland, ein wahres
Wort gefunden, seit Sie im Bundestag sitzen? Sie haben jedenfalls
ihrem Unterdrücker applaudiert, der im Bundestag Kriegshetze
betrieben hat.

Ich rufe sie daher auf, sich auf die Seite der Gerechtigkeit und des
Rechts zu stellen. Allerdings haben Sie mehr Chancen auf Promotion,
wenn Sie für Zionisten als Schabbesgoj Dreckarbeit leisten.

Mit freundlichen Grüßen,

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