16.03.2016

Palästina: Bildung für die nächste Generation

Korrektur von Schulbüchern als Voraussetzung für Verständigung

Michael Leutert

Als Mitglied des Haushaltsausschusses der Linken mit Schwerpunkt auf den internationalen Etats bin ich unter anderem zuständig für die Kontrolle von Geldern, die über die UNWRA den Palästinensern zugute kommen. Ein Punkt, auf den ich vor einer Weile gestoßen bin, war die Darstellung von Juden und Israel in palästinensischen Schulbüchern. Mir sind diese Inhalte wichtig, denn sie prägen eine neue Generation, die hoffentlich ihren Teil dazu beitragen wird, dass endlich eine nachhaltige, friedliche Lösung gefunden wird. In der Folge ist ein Projekt und eine Zusammenarbeit entstanden, aus der eine Broschüre hervorging, die ich hier verlinke und die unten als Download bereit steht. Im Folgenden mein Vorwort zu der Publikation:

"Der Nahostkonflikt, die Auseinandersetzung zwischen Juden und Arabern, ist spätestens seit der Gründung Israels 1948 eine Auseinandersetzung mit internationaler Dimension. Dieser Dimension folgend wurde 1949 neben dem Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen UNHCR ausschließlich für palästinensische Flüchtlinge das Hilfswerk UNRWA gegründet. Im Gegensatz zum UNHCR übernimmt das UNRWA allerdings teilweise quasi-staatliche Aufgaben, wie zum Beispiel die Verantwortung für das Bildungs- und das Gesundheitssystem.

Der israelisch-palästinensische Konflikt ist immer wieder zentraler Punkt politischer Debatten mit enormem Potential zu starker Emotionalisierung. Gerade in Deutschland kommt kein Politiker um eine Positionierung herum. Die historische Verantwortung für die Verfolgung und Vernichtung der europäischen Juden gebietet es, dass die Solidarität mit Israel zur deutschen Staatsräson zählt.

Als ich mir das erste Mal als Abgeordneter vor Jahren ein Bild vor Ort gemacht habe, kam es im Gaza-Streifen zu folgender Szene: Unsere Delegation ging nach einem Termin über einen Markt zum nächsten Termin. Wir Abgeordneten nutzten die Gelegenheit um mit den Händlern und Passanten ins Gespräch zu kommen. Ein Händler gab uns dann zum Abschied folgende Frage mit auf den Weg: „Warum habt ihr euren Job nicht zu Ende gemacht?“ Er meinte offensichtlich die Ermordung der europäischen Juden.

Das Beispiel illustriert, wie wichtig es für eine Verständigung zwischen Juden und Arabern ist, darüber aufzuklären, wie der Staat Israel entstanden ist und warum bestimmte Konflikte existieren. Genau aus diesem Grund ist es relevant, welche Lehrinhalte in den Fächern Geschichte und Geografie an palästinensischen Schulen vermittelt werden. Dort werden die entscheidenden Grundlagen an die Generationen weiter gereicht, die in naher Zukunft Verantwortung tragen müssen. Und weil wir sowohl die UNRWA als auch viele andere Projekte in den palästinensischen Gebieten (mit)finanzieren, tragen auch wir Verantwortung für die gelehrten Inhalte."

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