04.04.2018

Jugendweihe-Fahrt zu Gast im Bundestag

Michael Leutert
Jugendweihlinge aus Zwickau

Ich freue mich immer über jede Gelegenheit, mit jungen Menschen ins Gespräch zu kommen. Anfang des Monats besuchten mich rund 80 Jugendweihlinge aus Zwickau und Umgebung im Bundestag. Wie schon bei meinem Besuch im Goethe-Gymnasium neulich, habe ich zu Anfang vorgestellt, wie mein Alltag als Politiker aussieht und was Parlamentsarbeit im Einzelnen bedeutet: voller Terminkalender, viel Verantwortung und wenig Zeit für sich selbst. Gleich hier bot sich mir die Chance, direkt und persönlich das eine oder andere Vorurteil auszuräumen. Ich hatte nämlich in die Gruppe gefragt, was sie gemeinhin mit Politiker*innen verbinden. „Verdienen zu viel Geld“, „sind faul“, „können nur reden und nie was entscheiden“ waren Antworten, wie sie mir überall begegnen, nicht nur bei jungen Leuten. Und sie zeigen, wie wenig transparent unsere Arbeit im Parlament nach wie vor ist, warum manche Dinge ewig dauern, warum in der Politik die Maxime gilt, soviel wie möglich miteinander zu reden, zu streiten und auszuhandeln, bevor eine Entscheidung gefällt wird. Alles andere würde ja nur in einem Einheitsbrei enden, in der politische Standpunkte und damit auch die Parteien beliebig werden - und wer nicht hinterfragt, kann nur blind folgen. Ebenso deutlich habe ich zum Ausdruck gebracht, dass selbst für den heftigsten politischen Streit Grundregeln gelten müssen: Einerseits respektvoller Umgang und andererseits demokratische Überzeugung und Haltung. Dies traf bei der Gruppe auf Zustimmung. 

Meine eigene Jugendweihe liegt ja nun gute 30 Jahre zurück und fand genau in der Wendezeit statt. Trotzdem fanden wir gemeinsame Fragen an die Zukunft, die auch mich damals umgetrieben haben. Über die Dinge ihres täglichen Lebens wie Schule, Kultur- und Bildungspolitik machen die meisten Menschen ihre ersten Begegnungen mit „Politik“ in der Kommune und im Land - damals wie heute. Über die lokale Ebene hinaus kamen wir zu den globalen Fragen nach Umwelt und Klima, zu Wirtschaftssystemen und Wirtschaftskreisläufen. Das spannende daran ist, dass aus der Gruppe heraus ein gewisses Unbehagen, eine Suche nach Alternativen zur jetzigen Gesellschaft artikuliert wurde. 

Genau hier liegt meine Aufgabe als Abgeordneter und unserer Partei im Gesamten: Antworten und Orientierung für etwas anzubieten, das heute noch ein Bauchgefühl ist. Denn wenn wir das nicht tun, werden das andere für uns erledigen. Nur werden diese Antworten dann keine emanzipatorischen und positiv über das Bestehende hinausweisenden sein, sondern solche, die Faschisierung und Barbarei befeuern. Es ist an uns, diese Aufgabe und Herausforderung anzugehen.

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