23.02.2010

Eindrücke aus Dresden

erschienen im Klaren Blick 3/2010

Michael Leutert

Ausgerechnet der Neustädter Bahnhof war Sammlungspunkt der Nazis. Ausgerechnet hier sollte am 13. Februar der sogenannte Trauermarsch der Faschisten durch Dresden starten. An jenem Ort also, von dem aus während der Nazizeit Dresdner Jüdinnen und Juden in den Tod geschickt worden waren und an dem heute eine Gedenktafel an ihr Schicksal erinnert.

Als ich am Neustädter Bahnhof ankam, schützten Polizisten die Tafel. Ansonsten mussten sie eher die Nazis schützen, denn schon früh waren viele Menschen unterwegs, um einerseits möglichst viele Nazis durch Blockaden von Brücken, Kreuzungen oder Bahngleisen daran zu hindern, zum Neustädter Bahnhof zu gelangen. Zum anderen war es das eigentliche Ziel der antifaschistischen Demonstrantinnen und Demonstranten, den Nazimarsch ganz zu verhindern.

Wer die Menschen gesehen hat, die an den Blockadepunkten ausgeharrt haben, damit die Nazis nicht durchkommen, konnte mit eigenen Augen sehen, wie falsch und politisch verlogen das CDU-Geschwätz von den 'rechten und linken Extremisten' ist. Die Menschen, die hier gemeinsam gestanden haben, waren bunt gemischt. Von der organisierten Antifa bis zu ganz nomalen Bürgern reichte das Spektrum. Auch waren zahlreiche Bundestags- und Landtagsabgeordnete der LINKEN vor Ort und, - was mich sehr bewegt hat - viele ältere Genossinnen und Genossen, denen man angemerkt hat, wie wichtig es ihnen war, hier gegen die Nazis zu demonstrieren. Es waren diese Menschen, die den Naziaufmarsch schließlich erfolgreich verhindert haben und nicht jene auf der sicheren Seite der Elbe, die sich an den Händen gehalten haben. Die ehrenwehrten Motive der Teilnehmer an der offiziellen Veranstaltung will ich nicht in Zweifel ziehen. Aber wenn Dresdens CDU-Bürgermeisterin Orosz erklärt, sie hätten Dresden "zu einer Festung gegen Intoleranz und Dummheit" gemacht, irrt sie. Sie hätten große Teile der 'Festung' den Nazis überlassen. Es waren die mutigen Frauen und Männer in der Neustadt, die sich den faschistischen Marschierern entgegengestellt haben.

Ich bin am 13. Februar in Dresden viel unterwegs gewesen und habe dabei vieles gesehen. Ich sah Nazis, die in Gruppen probiert haben, möglichst unerkannt über Nebenstraßen zum Versammlungsort zu gelangen, weil die Hauptstrecken blockiert waren, und wie sie doch von der Antifa immer wieder erkannt wurden. Ich habe gesehen, wie Menschen bei der Blockade an der Schauburg sitzen blieben, obwohl Polizisten rüde die Kreuzung räumten. Ich sah die Freude bei den Menschen, als bekannt wurde, dass die Nazis nicht marschieren können. Vor allem aber habe ich gesehen, was wir gemeinsam schaffen können, wenn wir uns nur einig sind gegen die braune Gefahr: Sie kommen nicht durch. Mehr davon!

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