14.05.2007

Bürgermeister durfte nicht zur Anti-Rechts-Demo

Norbert Fleischer, Sächsische Zeitung-Online

MITTWEIDA - Eine Kleinstadt atmet auf: Die Anti-Rechts-Demo „Naziterror stoppen - alternative Freiräume schaffen“ verlief entgegen der Befürchtungen von lokalen CDU-Politikern völlig friedlich. Rund 2000 Demonstranten, darunter Hunderte Bürger und Studenten, marschierten mit. Die Polizei nahm 36 Störenfriede vorübergehend fest.

Mit einem Großaufgebot von 440 Beamten aus Sachsen, Bayern und sogar Baden-Württemberg hatte sich die Polizei gründlich vorbereitet. Vor Beginn ermahnten die Redner, der Bundestagsabgeordnete Michael Leutert (33, PDS) und der Mittweidaer Ex-Pfarrer Christoph Körner (71), die Teilnehmer nochmals zur Friedfertigkeit. So verlief die Demo dann auch: Mit anfangs rund 1000 Teilnehmern startete der Zug um 15 Uhr in der Feldstraße - mit donnernder Punkmusik und „Nazis raus“-Rufen. Mittendrin die Mittweidaerin Kerstin Schulze (47): „Ich habe selbst erlebt, wie die Rechten einen Jugendlichen gejagt haben, weil er keinen NPD-Flyer annehmen wollte.“

Zu Konfrontationen zwischen Linken und Rechten kam es nicht: Die Polizei hatte im Vorfeld 24 Rechtsradikale vorläufig festgenommen. Sie hatten ausgesprochene Platzverweise und Auflagen, sich nicht auf der Demoroute aufzuhalten, nicht befolgt. Auch fünf gewaltbereite Linke kamen zwölf Stunden in Polizeigewahrsam: In ihrem Gepäck waren unter anderem Pfefferspray und Schlag-Handschuhe gefunden worden. Polizeisprecher Frank Fischer (51): „Ein weiterer beleidigte die Beamten und erhielt außerdem eine Anzeige.“

Auf dem Marktplatz kam es allerdings zum Eklat zwischen MdB Leutert und Bürgermeister Matthias Damm (53, CDU): Mit der Begründung, einzelne Autonome könnten Damm angreifen, verwies Veranstalter Leutert das Stadtoberhaupt der Demo. „Der Bürgermeister ist zu lange untätig gewesen“, erklärte sich Demo-Teilnehmer Erkan Onat (33) diese Haltung. „Sturm 34“-Mitglieder hatten dem Dönerladenbesitzer mehrfach die Scheiben eingeschlagen.

Ohne Zwischenfälle endete die Demo kurz vor 18 Uhr. Student und Neonazi-Opfer Steffen R. (21, Name v. d. Red. geändert) ging enttäuscht nach Hause: „Es waren zu wenige Studenten da.“ Gegen 22 Uhr trauten sich verbotenerweise sieben „Sturm 34“-Mitglieder und sechs Sympathisanten wieder auf den Tzschirnerplatz. Sprecher Fischer: „Die zwei Frauen und fünf Männer verbrachten die Nacht im Polizeigewahrsam in Chemnitz.“

URL: http://www.sz-online.de/nachrichten/artikel.asp?id=1490619

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