12.09.2014

Gysis Kampf mit der Drama-Queen

Alarm-Brief an Parteikollegin Dağdelen

Thorsten Denkler (Süddeutsche Zeitung)

(...) Sevim Dağdelen ist für manchen Linken, was für einen Stier das rote Tuch ist: ständige Provokation, ohne eine Chance sie loszuwerden.

Wer nicht für sie ist, ist wahlweise Kriegstreiber, Teil einer Mörderbande, Faschist oder Imperialist. Diese Vorwürfe treffen auch schon mal Parteifreunde. Am 1. September hat sie es mal wieder zu weit getrieben. Zumindest in den Augen ihres Fraktionsvorsitzenden Gregor Gysi. Mittags saß sie im Bundestag. Sondersitzung zu den Waffenlieferungen in den Irak. Ihre Fraktion hat einen eigenen Entschließungsantrag vorgelegt. (...)

Es ist Weltfriedenstag. Dağdelen spricht auf einer Friedensdemonstration in Hamburg. Die UN-Passage im Linken-Antrag scheint ihr noch schwer im Magen zu liegen. So schwer, dass sie persönlich wird: Sie "bedauere", dass auch einige in der Linken anfangs Waffenlieferungen gefordert hätten. Das hat unter anderem Gregor Gysi getan.

Gysi geht das zu weit

Sie finde aber vor allem den Antragsvorschlag "meiner Kollegen Stefan Liebich, Michael Leutert, Katrin Kunert, Jan Korte und Frank Tempel" zur Frage der Vereinten Nationen "schlichtweg falsch". Diese forderten "de facto einen UN-mandatierten Kampfeinsatz für die Bundeswehr im Irak mit Tausenden von Soldaten". Mit anderen Worten: Kriegstreiber sind in ihren Augen offenbar auch die genannten Fraktionskollegen. So lässt sich diese Passage jedenfalls (miss-)verstehen.

Gregor Gysi reagierte. In einem persönlichen Brief an die "Liebe Sevim" schreibt er ihr am 9. September, also gut eine Woche nach dem Auftritt in Hamburg, dass sich der Fraktionsvorstand mit der Rede befasst habe. "Einmütig" sei die Kritik an ihren Äußerungen zu der "Fraktionsgenossin" und den "Fraktionsgenossen" ausgefallen. In dem genannten Antrag habe mit "keiner Zeile" die Forderung nach einem "Kampfeinsatz für die Bundeswehr im Irak mit Tausenden von Soldaten" gestanden. Das sei "niemals" das Begehren gewesen.

Dass sie die Fraktionskollegen namentlich erwähnt und mit nicht erhobenen Forderungen in Verbindung gebracht habe, "ist auch ein hoher Grad der Entsolidarisierung". Die "Empörung bei den Betroffenen" sei auch deshalb so groß, weil diese sich jetzt überall für etwas verteidigen müssten, was sie nicht gefordert hätten. Das werde als "grob unfair" eingeschätzt. Mit so einem Verhalten "schädigst Du auch den Ruf unserer Partei und unserer Fraktion". (...)

[Den vollständigen Artikel gibt es hier >]

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