04.09.2014

linXXtreff im August: Bundeswehr am Hindukusch

Rückblick auf einen interessanten Nachmittag

Michael Leutert

Zur linXXtreff-Veranstaltung im August hatte ich anlässlich des bevorstehenden Weltfriedenstags einen besonderen Gast eingeladen: den Journalisten und Buchautor Eric Chauvistré eingeladen, der mehrfach in Afghanistan war und dort auch bei den dortigen Bundeswehr-Truppen gewesen ist. Er hat aus erster Hand von seinen Eindrücken und Erfahrungen berichtet.
Es hat mich gefreut, dass trotz zahlreicher Wahlkampfveranstaltungen, die zwei Tage vor der Landtagswahl parallel stattgefunden haben, rund 20 Menschen unterschiedlichen Alters den Weg ins QUER-BEET am Rosenplatz gefunden hatten.
Eric Chauvistré berichtete aus dem ehemaligen deutschen Feldlager in Kundus und von den Einsätzen dort. Davon ausgehend ging es schnell um die Frage nach Sinn und Berichtigung des Einsatzes. Alles was Eric Chauvestre betonte, dass die Bundeswehr in Afghanistan jenseits der politischen Beschlüsse im fernen Berlin mit ihren Aufgaben angesichts der Verhältnisse vor Ort und überfordert war. Seiner schilderung nach war sie weder in ausreichender Zahl, noch mit ausreichender Ausrüstung in diesen Einsatz gestartet. So mussten Gefährte wegen Minen nachgerüstet werden, und generell war die Technik ein Problem um den Ansprüchen gerecht zu werden. Er beschrieb eine Entwicklung aus Sicht der Bundeswehr, nach der die Ziele anfangs noch hauptsächlich moralisch geprägt gewesen seinen, wogegen es in den letzten Jahren des Einsatzes nur noch darum gegeangen sei, einen gesichtswahrenden Ausweg zu finden und die eigenen Truppen zu schützen. Daraus ist eine rege Diskussion entstanden, ob es überhaupt legitime und schließlich erreichte Ziele gäbe. Was zählen Schulen und Brunnen, die von oder unter dem Schutz der Bundeswehr gebaut wurden, wenn zweifelhaft ist, wie lange sie bestehen werden. Erwähnt wurden auch die aktuellen Berichte aus Afghanistan, dass die Taliban sich Stück für Stück die Gebiete zurück erobern und es wieder schwere Kämpfe gibt, seitdem die internationalen Truppen abgezogen sind. Berichte über den Widerspruch zwischen Anspruch und Realität sorgten für großes Kopfschütteln. Denn in einem Land mit Stammeskultur und hunderten von Ältesten und Warlords demokratische Systeme nach unseren Vorstellungen zu etablieren scheint eine nicht realisierbare Aufgabe zu sein. Welchen konstruktiven Ausweg es nach dem Auslaufen des ISAF-Mandats in diesem Jahr geben kann, musste letztlich offen bleiben.
Wie auch bei den letzten Veranstaltungen ist es wieder gelungen bei Getränken einem kleinen Imbiss eine lebhafte Diskussion anzuregen. Ich freue mich, wenn es gelingt, dieses Ziel unserer linXXtreff-Reihe zu erreichen: eine offene, interessante Debatte, aus der ich jedesmal mit einem Gewinn rausgehe. Bis zum nächsten Mal!

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