25.02.2015

Pegida als "Konkurrenzrassismus"

Bericht vom linXXtreff im Februar

Michael Leutert
Voll war es.

Was ist Pegida, und wie gehen wir mit ihr um? Auch wenn die Teilnehmerzahlen sinken, diese Fragen und das Problem sind nicht aus der Welt. Am 20. Februar haben wir darüber im Rahmen meiner linXXtreff-Reihe in Chemnitz diskutiert.

Mit Gerd Wiegel

Für ein einleitendes Referat konnte ich Gerd Wiegel gewinnen, Publizist und Fraktionsreferent der LINKEN im Bundestag für den Bereich Rechtsextremismus. Gerd stellt die Chronologie der Entwicklung dar und wies dabei auch auf lokale Unterschiede hin. Während die TeilnehmerInnen in Dresden aus unterschiedlichen Altersgruppen und sozialen Schichten kämen, seien sie in Leipzig und Chemnitz aus einem klar rechten und Hooligan-Umfeld. Auch auf die Nähe zur AfD in Sachsen wies er hin. Eine Ursache für Pegida sei unter anderem ein Konkurrenzrassimus, bei dem Zuwanderung nur als weitere soziale Konkurrenz gesehen werde. Die Kritik an einer angeblichen Islamisierung richte sich dabei nicht nur gegen den radikalen Islamismus, sondern bedeute generell eine Ablehnung alle Muslime. Gerd Wiegel: "Allein die Selbstbezeichnung „Abendland“ suggeriert einen objektiven Gegensatz zum „Morgenland“. Interessant sei, dass die Protestbewegung in dem Augenblick zerbrach, als es darum ging, eigene Ziele und Inhalte zu formulieren.
Zu der Frage, warum Pegida ausgerechnet in Sachsen so stark wurde, stellte Gerd fest, dass dies kein isoliertes Phänomen sei: 25 Jahre Herrschaft einer besonders konservativen CDU, eine starke NPD, die über 10 Jahre im Landtag saß und jetzt eine starke AfD seien Beleg dafür, dass es in Sachsen - warum auch immer - bei vielen Zustimmung zu rechten politischen Vorstellungen gibt.
Die Diskussion zeigte wie die ganze Veranstaltung, welch starkes Interesse das Phänomen Pegida auslöst. Es kam zur Sprache, dass wir unsere eigenen Lösungsvorschläge für gesellschaftliche Probleme besser in die Öffentlichkeit tragen müssen. Aber auch der Umgang mit dem Thema Flüchtlinge an sich wurde diskutiert. Für mich ist ein wichtiger Punkt, dass wir bei vermeintlichen thematischen Schnittmengen mit Pegida wie der Kritik an einseitiger Medienberichterstattung immer nach den Gründen und Ursachen fragen. Allgemein von 'Lügenpresse' zu reden und Verschwörungstheorien - bei dem Thema und bei anderen - aufzubauen, ist nicht links. Unsere Aufgabe ist es, gesellschaftliche, ökonomische und politische Zusammenhänge aufzuzeigen. Denn diese kann man ändern.

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