08.05.2015

Befreiung für Sascha, für Jura, für Tolja, für alle

Gedanken zum 8. Mai

Michael Leutert
[Foto aus: Kempowski, Walter: das Echolot, Barbarossa '41, btb, München 2004, S. 699.]

Der 8. Mai ist der Tag der ‪‎Befreiung‬. Er war es für die kleine Sascha, für Jura, für Tolja und für ihre Kinderärztin Anna Lichatschewa, wenn sie diesen Tag noch erleben durften. Denn Sascha, Jura und Tolja hatten keine Kindheit im Frieden. Sie lebten im Winter 1941/42 im von der deutschen Wehrmacht belagerten, beschossenen und ausgehungerten Leningrad. Hier schrieb ihre Kinderärztin im Krankenhaus am 31. Dezember 1941 die Worte: "Ich denke an die Millionen Kinder in der ganzen Welt, denen der Krieg die Kindheit raubt, russische, deutsche Kinder... Was ist der Sinn dieses Krieges?"

Der 8. Mai ist der Tag der #Befreiung. Für Sascha, für Jura, für Tolja, für Anna, wenn sie diesen Tag nach der Belagerung Leningrads noch erlebt haben. Der 8. Mai ist der Tag der Befreiung aller vom verbrecherischen Nazi-Regime; aller Völker, die von ihm unterdrückt worden waren, der Überlebenden in den Konzentrationslagern, der Widerstandskämpferinnen und -kämpfer, aber auch jener Menschen, die als Soldaten aufeinander schießen mussten. Und ja, der 8. Mai ist genauso der Tag der Befreiung der Deutschen, sogar der Tag der Befreiung vieler, die nicht wussten oder wahr haben wollten, dass sie befreit werden. Schließlich ist es der Tag der Befreiung für Menschen wie mich, Menschen, die noch gar nicht geboren waren und die so den Faschimus nie erleben mussten. Der 8. Mai ist auch ein Tag der Niederlage: für Nazis, Faschisten. Doch genau deshalb ist es der Tag der Befreiung.
Für Sascha, Jura, Tolja und ihre Ärztin Anna, für die Opfer der Shoah und alle Opfer des grausamen Krieges Nazi-Deutschlands: Der 8. Mai ist Tag der Befreiung vom Faschismus. Er muss endlich gesetzlicher Feiertag werden.

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