07.05.2015

Wie sich von der Leyen als Retterin inszeniert

Polit-Theater um Sturmgewehr

Caroline Walter und Christoph Rosenthal / Kontraste

Schrott sei das Gewehr, Soldatenleben seien gefährdet! Bei Hitze nicht einsatzfähig! Das Standardgewehr G36 der Bundeswehr ist in Verruf geraten, obwohl es sich gerade in heißen Ländern gut bewährt hat und dort gern gekauft wird. Polittheater ersten Ranges, so das Urteil von Soldaten und Experten, denn im Kampfeinsatz sind alle zufrieden, die Sicherheit ist gewährleistet. Trotzdem hat von der Leyen vor dem Gewehr gewarnt und verspricht Abhilfe - von einer nicht existenten Gefahr.

Anmoderation: Der Skandal um das Sturmgewehr G36. Jeden Tag neue Vorwürfe gegen Verteidigungsministerin von der Leyen. Wer wusste was und wann warum? Und jetzt ist offenbar auch noch versucht worden, kritische Journalisten zu bespitzeln. Das Sturmgewehr ist längst zur Waffe im Machtkampf der Politik geworden! Dabei ist die Frage nach der Tauglichkeit des Gewehrs im militärischen Einsatz ins Hintertreffen geraten. Angeblich sei klar: das G36 ist ein schrottreifes Pannengewehr, ungeeignet für den weiteren Einsatz. Doch Kontraste hat genauer hingeschaut und kommt zu einem erstaunlichen Schluss. Caroline Walter und Christoph Rosenthal

Gestern im Berliner Politikbetrieb: Ministerin von der Leyen auf dem Weg zum Verteidigungsausschuss. Sie muss sich zum Gewehr G36 erklären. Vor kurzem hatte sie entschieden:

O-Ton Ursula von der Leyen
"Auf dieser Grundlage hat das G36 keine Zukunft mehr in der Bundeswehr."

Der vermeintliche Skandal um das Gewehr G36 – Medien und Politik überschlagen sich seit Wochen – mit reißerischen Schlagzeilen und Vorwürfen.

O-TON Agnieszka Brugger (Bündnis 90/Die Grünen), MdB
„Der Skandal beim G36 liegt darin, dass über Jahre hinweg Hinweise, Berichte und Untersuchungen nicht nur ignoriert wurden, sondern eigentlich muss man hier von systematischer Vertuschung sprechen.“

O-TON Jan van Aken (Die Linke), MdB
„Wir haben den Eindruck, irgendwer hat die schützende Hand über die Waffenfirma Heckler und Koch gehalten.“

O-TON Henning Otte (CDU), MdB
„Meines Erachtens braucht die Bundeswehr ein neues Gewehr, und hier muss vorrangig ein Austausch im Einsatzgebiet stattfinden.“

Zur Geschichte: Das G36 sei nicht treffsicher, ein „Pannengewehr“ – das Soldaten gefährde. Doch was ist wirklich dran an den Behauptungen? Wird hier eine „Affäre G36“ inszeniert – von allen Seiten? (...)

Verbesserungen an Sturmgewehren sind nach Jahrzehnten der Nutzung ein ganz normaler Vorgang bei allen Nationen. Die Amerikaner haben mit ihrem Sturmgewehr M4 wirkliche Probleme – es hat gefährliche Ladehemmungen.

In Deutschland: viel Wirbel um wenig – verbessern kann man immer und auch ganz unaufgeregt diskutieren.

Es geht aber bei der Debatte um etwas ganz anderes – und das stört auch diesen Abgeordneten, er spricht es ehrlich aus.

O-TON Michael Leutert (Die Linke), MdB
„Erstmal muss man ganz klar sagen, hier geht es ja nicht mehr ums G36. Hier geht’s um Machtpolitik und hier geht’s darum, von der Leyen ist eine potenzielle Kanzlerkandidatin und die wird jetzt angeschossen. So.“

Fakten zum Gewehr stören da nur…

Abmoderation: Abgesehen von all dem, was jetzt sonst noch hochkocht um das Thema G36 - bis hin zum Vorwurf der Bespitzelung von Journalisten - sollte man genau hinschauen und den Kern der Sache nicht aus den Augen verlieren. Wenn es um das Gewehr geht, muss man auch die jenigen berücksichtigen, die damit im Einsatz sind - die Soldaten.

[Den vollständigen Beitrag gibt es in Film- und Textform auf der Homepage von 'Kontraste']

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