28.04.2015

Wie atombombensicher ist das G36?

Hans-Martin Tillack (Stern)
Foto ohne (C)

Was passiert mit dem Gewehr G36, wenn in der Nähe eine Atombombe explodiert? Nein, das ist keine makabre Scherzfrage. Die Bundeswehr hat das Thema ausdrücklich behandelt.

„Die Waffe muss gegen die Wirkungen von Atomdetonationen wenigstens so weit gehärtet sein, dass sie nicht eher ausfällt als das Bedienungspersonal“ – so bürokratisch kalt steht es wörtlich in der sogenannten Taktisch-Technischen Forderung (TTF) des Militärs für das G36. Das Verteidigungsministerium hat das Papier jetzt dem Haushaltsausschuss des Bundestages übermittelt.

Dass das G36 nicht mehr sicher trifft, wenn mehr als 60 Schuss abgefeuert wurden, wenn es zu lange in der Sonne liegt oder die Luftfeuchtigkeit zu hoch ist – das weiß die ganze Nation, seit Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) Ende März - nach langem Leugnen – die „Präzisionsprobleme“ einräumte. (...)

Das kam Heckler & Koch entgegen, ebenso wie die Tatsache, dass die vom Beschaffungsamt der Bundeswehr im Jahr 1996 ausgegebenen Technischen Lieferbedingungen von dem Gewehr weniger verlangten, als ursprünglich angedacht. „Die ursprüngliche Präzisionsforderung der Taktisch-Technischen Forderung wurde von 0,2 Strich auf 0,3 Strich herabgesetzt“, würde später der Bundesrechnungshof vermerken. Und laut der Lieferbedingungen aus dem Jahr 1996 genügte es nun, dass jede Waffe ihre Trefferleistung mit „fünf hintereinander folgenden Einzelschüssen“ nachwies. Von Dauerfeuer war keine Rede mehr.

Auch der Grünen-Verteidigungsexperten Tobias Lindner hat diese Akten studiert. „Die Kriterien der Taktisch-Technischen Forderung und die Lieferbedingungen fallen zum Teil auseinander“, fiel ihm auf. Sein Kollege Michael Leutert von der Linksfraktion im Bundestag fragt sich bereits, ob der Hersteller nicht gewusst haben muss, dass das G36 jenseits der relativ laxen Lieferbedingungen der Bundeswehr Defizite aufweist: „Ich gehe fest davon aus, dass Heckler & Koch das Gewehr auf Herz und Nieren getestet hat“, sagt Leutert. „Die müssen gewusst haben, was seine Schwächen sind.“ (...)

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