02.10.2015

Ein Stolperstein für Alfred Leder

Dem Bruder von Stephan Hermlin wird nun in Chemnitz gedacht

Michael Leutert

Die meisten von euch werden die 'Stolpersteine' des Künstlers Gunter Demnig kennen. Auf dem Gehsteig vor Häusern eingelassen weisen sie auf Opfer des Nationalsozialismus hin, die dort einmal gewohnt haben. Am 30. September wurde in Chemnitz unter anderem ein 'Stolperstein' für Alfred Leder verlegt. Dafür habe ich gerne die Patenschaft übernommen. Der Stein wurde auf der Heinrich-Beck-Str. 53 in den Fußweg eingelassen. Dort stand das Wohnhaus der Familie Leder.

Alfred Leder wurde 1917 in Chemnitz als Sohn jüdischer Eltern geboren. Sein Vater David war ein in der Stadt bekannter jüdischer Kaufmann und Kunstsammler. Als die Nazis an der Macht waren, musste Alfred Leder emigrieren - 1934 ging er zunächst nach Palästina, 1938 dann nach England. Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs entschied er sich, aktiv gegen den Hitler-Faschismus zu kämpfen und wurde 1941 Mitglied der Royal Air Force. Alfred Leder starb 1943 bei einem Trainingsflug über Kanada. Ein kurzes Leben, das durch den Verlust der Heimat und den Kampf gegen Nazi-Deutschland geprägt war. Uns ist die Familie Leder vor allem auch durch den Bruder von Alfred ein Begriff: Rudolf Leder, besser bekannt unter dem Namen Stephan Hermlin, Antifaschist und einer der bekanntesten Schriftsteller der DDR.

Ich habe mich sehr gefreut, dass zu dem Anlass des Erinnerns an ihren Onkel auch die Kinder von Stephan Hermlin, Bettina Leder und der bekannte Swing-Musiker Andrej Hermlin, nach Chemnitz gekommen waren. Lasst uns zusammen die Erinnerung an die Geschichte und die Opfer des Nationalsozialismus wachhalten!

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