23.11.2015

Eurofighter: das Einweg-Kampfflugzeug

die Geschichte einer Milliarden-Verschwendung

Michael Leutert

Was ist ein Kampfflugzeug, für das keine ausreichende Bewaffnung bereit steht? Praktizierte Friedenspolitik oder doch eher das teuerste Einweg-Kampfflugzeug der Welt? Hinter diesem etwas launigen Einstieg steckt ein massives Problem der Beschaffungspolitik des Verteidigungsministeriums, das keinesfalls auf dieses Rüstungsprojekt beschränkt ist und das DIE LINKE nicht deshalb abtun sollte, weil es vermeintlich zur Demilitarisierung der Bundesrepublik beiträgt.

Die Geschichte des von Airbus sowie BAE Systems und Alenia Aermacchi produzierten Kampfflugzeugs Eurofighter ist von Beginn an eine Aneinanderreihung von Pannen. Zuletzt wurden 2015 wie schon 2014 fehlerhafte Bohrungen am Rumpf entdeckt. Daraufhin wurde vom Verteidigungsministerium die Abnahme weiterer Maschinen zeitweilig ausgesetzt. Hinzu kamen ebenfalls in diesem Jahr Fehler an der Bordelektronik sowie ein abgefallener Außentank. Dieses Mal wurde vorübergehend ein Flugverbot über Deutschland ausgesprochen. Nicht zuletzt die Pannenserie hat dazu geführt, dass der Eurofighter nach Regierungsangaben mehr als elf Jahre im Verzug ist und allein die dritte Tranche mit zusätzlichen knapp sieben Milliarden Euro rund 40 Prozent teurer geworden ist als geplant – eine Verschwendung öffentlicher Mittel ohnegleichen, die mich als linken Haushaltspolitiker natürlich sehr interessiert.

Kürzlich habe ich nun das Verteidigungsministerium gefragt, wie es denn mit der Bewaffnung der Eurofighter aussehe. Die schriftliche Antwort lautete kurzgefasst: Von den wichtigsten Waffen, den Lenkwaffen mittlerer Reichweite, ist für fast jeden flugfähigen Eurofighter eine vorhanden. ...Bitte? Soll das heißen, es handelt sich bei dem Eurofighter um das teuerste Einweg-Kampfflugzeug der Welt, das nach Gebrauch in den Mülleimer kann? Natürlich ist die Antwort des Verteidigungsministeriums etwas differenzierter. So soll die noch auszuliefernde dritte Tranche des Eurofighters mit der neuen, in Erprobung befindlichen Meteor-Rakete bestückt werden. Die jetzigen AMRAAM seien demzufolge ein Auslaufmodell. Allerdings ist nicht sicher, wann die dritte Tranche und die Meteor tatsächlich ausgeliefert werden können. Geplant ist 2018. Die lange Pannengeschichte des Eurofighters lässt daran begründete Zweifel aufkommen. Bis dahin gilt: Deutschland leistet sich für viele Milliarden ein überteuertes Pannenflugzeug, für das Munition fehlt. Auch wenn mancher sich aus friedenspolitischer Perspektive über diese ‚unfreiwillige Abrüstung’ freuen mag: Als LINKE müssen wir ein solches Missmanagement kritisieren und seine Ursachen hinterfragen. Schließlich geht es um einen deutlich zweistelligen Milliardenbetrag an öffentlichen Geldern, die dringend für andere Aufgaben benötigt werden. An eine Abnahme der ausstehenden Tranche darf unter diesen Voraussetzungen ohnehin nicht zu denken sein.

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