29.01.2016

Chemnitztalviadukt: Offener Brief an Bahnchef Grube

Michael Leutert
das Viadukt

Weil ich mich wie die Bundestagsabgeordneten der anderen Parteien für den Erhalt des historischen Chemnitztalviadukts einsetze, haben wir uns zusammengetan und Mitte Januar einen offenen Brief an Bahnchef Dr. Rüdiger Grube verfasst. Er wurde auch Ronald Pofalla (DB Mobility Logistic AG), Gerald Hörster (Eisenbahn-Bundesamt) sowie der Chemnitzer Presse zugesandt.
Das Schreiben ist hier dokumentiert:

"Erhalt und Sanierung des Chemnitztalviadukts in Chemnitz, DB-Strecke Dresden-Chemnitz-Reichenbach (Vogtl.)-Hof/ Sachsen-Franken-Magistrale

Sehr geehrter Herr Dr. Grube!

Am 16.12.2015 fasste der Chemnitzer Stadtrat einstimmig den Grundsatzbeschluss zum Erhalt und zur Sanierung des Ingenieurbauwerks Chemnitztalviadukt über die Annaberger Straße in Chemnitz.

Wir Chemnitzer Abgeordneten des Deutschen Bundestages unterstützen diesen Beschluss einstimmig und fordern die Deutsche Bahn AG bzw. DB Netz AG auf, im Zuge der weiteren Modernisierung der Sachsen-Franken-Magistrale das stadtbildprägende Ingenieurbauwerk zu erhalten und zu ertüchtigen.

Begründung:

Die Planungen für einen Ersatzneubau anstelle des historischen Chemnitztalviadukts reichen zurück bis ins Jahr 2003. Genauso lange gibt es die Diskussion, ob das historische Bauwerk erhalten und entsprechend ertüchtigt werden kann.

Entgegen den Einlassungen der Deutschen Bahn haben sich aber die Grundlagen, nach denen sich eine Fachjury 2003 für einen Neubau des Viaduktes ausgesprochen hatte, entschieden geändert. Damals war aufgrund der technischen Möglichkeiten an einen Erhalt des Viadukts nicht zu denken. Der finanzielle Aufwand für die Rekonstruktionsmaßnahmen war im Gegensatz zu heute nicht abbildbar. Die Deutsche Bahn ignoriert diese Umstände und hält trotz des vehementen Widerspruchs seitens der Stadträte und der Bürgerschaft weiterhin an der von ihr entschiedenen Abrissvariante fest.

Die beiden hintereinander gestaffelten Brücken des Chemnitztalviadukts von deutlich unterschiedlicher Höhe gelten als stadtbildprägender Komplex und stehen unter Denkmalschutz. Aus diesem Grund setzen sich zahlreiche Bürgerinitiativen sowie der Chemnitzer Stadtrat für den Erhalt und die Modernisierung der historischen Eisenbahnbrücke ein.

Wegen der identitätsstiftenden Wirkung des Viadukts für die Stadt Chemnitz wurde im Jahr 2013 eine Petition für den Erhalt des historischen Viadukts gestartet, die mehr als 7.000 Unterstützer gewinnen konnte. Schon dies zeigt, wie wichtig den Menschen in Chemnitz der Erhalt dieses historischen Bauwerks ist.

Im Dezember 2015 setzten sich alle Chemnitzer Abgeordneten des Sächsischen Landtages fraktionsübergreifend für den Erhalt des Bauwerkes ein.

Die technische Möglichkeit, das bestehende Viadukt zu erhalten und für die Bahnverkehre, auch den gewünschten Fernbahnverkehr, zu ertüchtigen, wurde anlässlich der Bürgeranhörung im November 2015 seitens der Bahn unter Hinweis auf mutmaßlich höhere Kosten gegenüber einem Neubau bestätigt.

Neben dem Erhalt des Chemnitztalviadukts bedarf es einer deutlichen Verbesserung der Schieneninfrastruktur. Seit über zehn Jahren ist die Stadt Chemnitz nicht mehr an den Fernverkehr der Deutschen Bahn angeschlossen, ein Nachteil, den keine andere Stadt und keine Region dieser Größenordnung in der gesamten Bundesrepublik aufweist und nicht länger zu akzeptieren ist.

Frank Heinrich, MdB
Michael Leutert, MdB
Detlef Müller, MdB
Stephan Kühn, MdB

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