29.02.2016

NSU - Verwicklung des Verfassungsschutzes liegt nah

Bericht vom linXXtreff im Februar

Michael Leutert

Das öffentliche Interesse an den Morden des sogenannten Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) und der möglichen Verbindung des Verfassungsschutzes lässt nicht nach. Das hat auch unsere linXXtreff-Veranstaltung gezeigt. 70 bis 80 Gäste wollten dabei sein, als Katharina König, Linke Abgeordnete aus dem Thüringer Landtag und Mitglied des Thüringer NSU-Untersuchungsausschusses über dessen Erkenntnisse berichtete. Das war eine rekordverdächtige TeilnehmerInnenzahl.

Am Ende gingen die meisten wohl mit einer Mischung aus Erstaunen und Verärgerung hinaus. Nicht wegen der Veranstaltung, sondern wegen dem, was sie erfahren hatten. Kathatina König hatte die unglaubliche Zahl an 'Zufällen' erläutert, wegen derer der NSU zehn Jahre unbehelligt bleiben konnte. Sie berichtete von der Verwicklung des Verfassungsschutzes schon in die Gründung des 'Thüringer Heimatschutzes', aus dessen Umfeld der NSU hervorging. Insgesamt flossen in die Strukturen, so König, über eine Million Euro. Sie stellte unfassbare Überwachungs-'Pannen' wie bei uns in Chemnitz dar oder den Mord in einem Internet-Café in Kassel, in dem nachweisbar ein Beamter des Verfassungsschutzes gesessen hat, der von dem Mord aber nichts mitbekommen haben will. Die Darstellung von Katharina König, die sich nach ihrer eigenen Aussage in der Kürze der Zeit - einer Stunde - nur auf das Wichtigste beschränkt hatte, legt nah: So viele Zufälle kann es nicht geben.

Daneben wurde deutlich, was mittlerweile nicht mehr nur die Mitglieder des Untersuchungs-ausschusses sagen: Der NSU war kein isoliertes Trio. Nach allem, was wir wissen, kann er es gar nicht gewesen sein. Allein in Chemnitz hat es mehrere Unterstützer gegeben, wie die Telefonliste von Uwe Mundlos, einem aus dem Trio, belegt. Es liegt insgesamt nah, dass hier - sehr vorsichtig formuliert - nicht alle staatlichen Organe ein hohes Aufklärungsinteresse haben.

Nach dem Vortrag begann eine lebhafte Diskussion mit Fragen aus dem Publikum, die das Erstaunen und das Interesse an dem Fall widerspiegelten. Für mich war die Veranstaltung nicht nur deshalb gelungen, weil sie sie so gut besucht war. Sie verdeutlicht auch, dass wir als Linke mit unserem Engagement gegen Rechts ebenso richtig liegen wie bei unserem Misstrauen gegen den Inlandsgeheimdienst. Ich bedanke mich bei Katharina König und allen Anwesenden für den interessanten Nachmittag.

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