11.10.2016

Kümmererpartei: Ein ganz konkretes Beispiel

aus Chemnitz

Michael Leutert

Bereits die PDS hatte im Osten den Ruf, eine Kümmererpartei zu sein. Nicht nur die großen Veränderungen anzustreben, sondern auch einen Blick und ein offenes Ohr für die alltäglichen Sorgen der Menschen zu haben: So stelle ich mir linke Politik vor.

Erst vor kurzem hatte sich zum Beispiel eine Frau an mich gewandt, die nach Arbeitslosigkeit eine Anstellung bei einer Sicherheitsfirma gefunden hatte. Sie war in einer Flüchtlingsunterkunft eingesetzt worden, obwohl sie die körperlichen Voraussetzungen dazu überhaupt nicht mitbrachte - das konnte man sofort erfassen. Sie hatte bei der Arbeit aber nicht nur Probleme mit dem ein oder anderen Flüchtling, sie hatte auch Probleme mit ihren männlichen Kollegen. Darunter leidend kündigte sie. Für mich absolut nachvollziehbar. Die Frau hätte dort nie eingesetzt werden dürfen.

Doch die Sanktion der Arge folgte prompt: Ihr wurde der Hartz-IV-Betrag gekürzt. Zum Glück hat sie fristgerecht Widerspruch eingelegt. Zugleich wandte sie sich an mich. Ich versprach ihr, mich für sie einzusetzen und habe mit der Chefin der Agentur für Arbeit in Chemnitz telefoniert. Diese hat sich den Fall noch einmal selbst angeschaut und ist zu der gleichen Einschätzung gekommen wie ich: dass die Kürzung ungerechtfertigt war.

Dies ist nur ein kleines, aktuelles Beispiel. Ich weiß nicht einmal, ob meine Intervention entscheidend war oder ob dem Widerspruch der Frau ohnehin stattgegeben worden wäre. Ganz sicher hat mein Anruf bei der Arge auch nicht unsere Gesellschaft verändert. Aber er hat dieser Frau, die als Hartz-IV-Bezieherin ohnehin keine starke Lobby hat, geholfen. Und genau dafür braucht es DIE LINKE eben auch.

Schlagwörter

Ausdrucken | Versenden