16.10.2016

Eine Reise (nicht nur) in die linke Vergangenheit

Chemnitzer GenossInnen zu Besuch in Berlin

Ralf Thonfeld

Es war nicht nur eine Reise in die Hauptstadt, sondern auch in unsere eigene Geschichte als Partei und Arbeiterbewegung, zu der sich die Besuchergruppe aus Chemnitz Mitte Oktober aufgemacht hatte. Und das war auch so beabsichtigt. Schließlich hatte Michael Leutert diese Fahrt von Anfang an für GenossInnen sowie einige SympathisantInnen reserviert gehabt.

Am ersten Tag stand gleich ein Besuch im Bundesfinanzministerium an, der auf großes Interesse stieß, konnte man doch den ‚Atem der Geschichte’ förmlich spüren. Während der Nazizeit war dort das Reichsluftfahrtministerium. Zugleich arbeiteten in ihm aber auch Mitglieder der Widerstandsgruppe ‚Rote Kapelle’ bis zu ihrer Entdeckung. Für die Geschichte der DDR wurde das Haus mit dem 7. Oktober 1949 zu einem zentralen Schauplatz. An diesem Tag wurde hier von der ersten Volkskammer die Verfassung der DDR in Kraft gesetzt. Später war es das Haus der Ministerien und nach dem Ende der DDR hatte dort die ‚Treuhandanstalt’ ihren Sitz, bevor das Finale anzministerium einzog – mehr Geschichte auf einem Fleck geht kaum. In dem Gespräch vor Ort wurden aber auch aktuelle Fragen gestellt, so ob die stark angeschlagene Deutsche Bank vom Staat gerettet werde. Leider erhielten wir darauf nur die Auskunft, dass dazu keine Auskunft gegeben werden könne.

Am selben Tag ging es unter anderem noch in das ‚Karl-Liebknecht-Haus, unsere Bundesgeschäftsstelle und dem Sitz des Parteivorstandes der LINKEN. Auch hier gab es viele Informationen zur Geschichte des Hauses, das schon in der Weimarer Republik der KPD gehört und in dem einst schon Ernst Thälmann gearbeitet hatte.

Am zweiten Tag unseres Berlinbesuchs besuchten wir nach einer Stadtrundfahrt das Gebäude des ‚neuen deutschland' am Franz-Mehring-Platz, in dem auch die Rosa-Luxemburg-Stiftung, unsere Parteistiftung, ihren Hauptsitz hat. Traditionell meist am Ende der Berlinbesuche steht der obligatorische Besuch im Deutschen Bundestag, zu dem auch ein Gespräch mit Michael Leutert gehörte. Er hat zunächst über seine Person und seine Arbeit als Chemnitzer Abgeordneter der LINKEN informiert. Anschließend wurden noch Fragen gestellt, bei denen besonders die Themen AfD, Entwicklungshilfe und Rüstungspolitik im Mittelpunkt standen.

So waren wir am Ende die Reise doch noch in der Gegenwart, aber eben auch in der Gegenwart linker Politik angekommen. Tradition und Wandel – manchmal liegen sie näher, als man im ersten Moment denken könnte.

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