17.02.2017

"Nur mit der LINKEN die Chance, Politik sozialer zu machen"

Sahra Wagenknecht in Chemnitz

Michael Leutert

Dass Sahra Wagenknecht ein interessanter Gast ist, der viele Besucher*innen anziehen würde, war abzusehen. Dass es so viele sein würden, dann doch nicht. Eine lange Schlange bildete sich am späten Nachmittag des 15. Februar auf der Straße vor dem Pentagon3 in Chemnitz anlässlich der Lesung von Sahra aus ihrem Buch 'Reichtum ohne Gier.' Rund 400 Besucher*innen, einige davon stehend, waren schließlich dabei, leider fanden 150 bis 200 Menschen keinen Einlass mehr. Eins ist klar: Wenn Sahra das nächste Mal kommt, brauchen wir mehr Platz.

In meinen einleitenden Worten war es mir unter anderem wichtig, darauf hinzuweisen, wie gut der Übergang von Gregor Gysi als Fraktionsvorsitzenden zu Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch geklappt hat. Da hat sich von Beginn an eine sehr konstruktive Zusammenarbeit ergeben – das hätten vielleicht nicht alle vorher gedacht. Und es strahlt auf die ganze Fraktion aus. Gefreut hat mich, dass Sahra es genauso sieht und zusätzlich betonte, dass Politik so auch mehr Spaß mache. Finde ich auch.

Anschließend hat Sahra eine knappe halbe Stunde gelesen und dabei eine interessante Begründung genannt, warum sie das Buch geschrieben hat: Sie wolle den Menschen, ohne das Wort Sozialismus zu gebrauchen, dessen Grundgedanken näher bringen und Perspektiven aus der gegenwärtigen Lage zeigen.

In der darauffolgenden Fragerunde mit Susi Schaper und Klaus Bartl, die sie eingeladen hatten, kamen unterschiedliche Themen zur Sprache. Hier zwei davon:
Zu den Vorwürfen, Anknüpfungspunkte zur AfD zu haben, befragt, sagte Sahra, dass dies plumpe und politisch durchschaubare Vorwürfe seien. Die AfD schüre Ängste und spiele Menschen gegeneinander aus. DIE LINKE dagegen will die Ursachen von gesellschaftlicher Ungerechtigkeit bekämpfen. Wir seien politisch das genaue Gegenteil der AfD.​ So sei die AfD wirtschaftspolitisch näher an CDU und FDP, wenn ein Vergleich schon gezogen werde. „Die Menschen müssen sehen, dass nur mit der Wahl der LINKEN die Politik sozialer wird.“ Dafür bräuchten wir klare Lösungen, die wir auch noch mehr den Menschen vermitteln, wie z.B. bei der Rente oder beim Thema Leiharbeit.
Zum Thema Rot-Rot-Grün meinte Sahra, dass die Grundlage dafür in einer gemeinsamen inhaltlichen Basis bestehe, in belastbaren Optionen, Politik wirklich sozialer zu gestalten. Voraussetzung dafür sei zum einen ein starkes Ergebnis der LINKEN. Zum anderen müssten SPD und Grüne bereit sein, gerade in der Sozialpolitik ihre bisherige Politik wirklich zu ändern.

Insgesamt war es aus meiner Sicht eine gelungene Veranstaltung - nur dass so viele nicht mehr hinein gekommen sind, tut mir leid. Das große Interesse an Politik, wenn diese eine wirkliche Perspektive über das ein bloßes 'Weiter so' hinaus aufzeigt, ist aber ermutigend - und dafür steht Sahra als eine exponierte Vertreterin der LINKEN. Um letztlich etwas verändern zu können, müssen wir als LINKE wissen, was Menschen im Alltag bewegt und immer wieder unsere Vorschläge und Konzepte erläutern. Wir müssen eine Partei sein, die sich kümmert. - An Sahra geht mein Dank für ihren Besuch in Chemnitz. Gerne bald wieder!

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