03.03.2017

"Frauen, die nichts fordern, werden beim Wort genommen"

zum Internationalen Frauentag!

Michael Leutert

"Frauen, die nichts fordern, werden beim Wort genommen - sie bekommen nichts." Dieses Zitat der französischen Schriftstellerin, Philosophin und Feministin Simone de Beauvoir gilt leider in weiten Teilen auch heute noch. Noch immer verdienen Frauen rund 21 Prozent weniger Gehalt als Männer, noch immer sind nur wenige Frauen in Spitzenpositionen führender deutscher Unternehmen tätig und noch immer sind insbesondere alleinerziehende Frauen in Deutschland - rund 90 Prozent aller Alleinerziehenden sind Frauen - einem besonderen Armutsrisiko ausgesetzt. Schaut man in den Deutschen Bundestag spiegelt sich das Missverhältnis auch hier wider: Nur die beiden Oppositionsfraktionen LINKE und Grüne haben mehr weibliche als männliche Abgeordnete. Bei SPD und erst recht bei CDU/CSU kann davon keine Rede sein.

Mehr zu fordern - das sagt sich so einfach. Es ist eine Aufgabe der Politik, die Rahmenbedingungen für Veränderungen zu schaffen und Schrittmacher für gesellschaftliche Gleichberechtigung zu sein. Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) ist zugute zu halten, dass ihr zumindest das Problem bewusst ist. Ihr Ministerium hat zum Beispiel Anfang des Jahres einen Gesetzentwurf für mehr Lohngerechtigkeit zwischen Männern und Frauen vorgelegt. Dieser sieht vor, einen individuellen Auskunftsanspruch für Arbeitnehmer*innen einzuführen, durch den Frauen in Firmen ab 200 Mitarbeiter*innen Informationen darüber verlangen können, was Männer in gleichwertigen Positionen verdienen. Die Ministerin bekam nicht wenig Gegenwind vom Koalitionspartner CDU/CSU und den Wirtschaftsverbänden, obwohl die Gesetzesinitiative nur einen Teil des Problems erfasst. So gibt es eher wenig Firmen mit über 200 Mitarbeiter*innen in Ostdeutschland. Vor allem aber gelangen Frauen oft gar nicht erst in Männern gleichgestellte, besser bezahlte Positionen.

Es wird also auch von der politischen Konstellation nach den Bundestagswahlen im Herbst abhängen, wie ernsthaft das Ziel Gleichberechtigung angegangen werden kann. Was DIE LINKE will, ist klar. Wir setzen uns im Bundestag seit langem nicht allein für gleiche Bezahlung von Frauen und Männern und Quoten in Politik und Wirtschaft ein, sondern sehen es auch als Aufgabe an, die soziale Benachteiligung von Frauen durch eine Reform des deutschen Renten-, Steuer-, Sozial- und Familienrechts zu beenden. Dafür ist es notwendig, über den Arbeitsbegriff in unserer Gesellschaft zu diskutieren und reproduktive Tätigkeiten wie Kinderbetreuung und Pflege aufzuwerten. Wichtig ist es daneben, mehr dafür zu tun, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu garantieren. Vor allem im Westen fehlen noch massenhaft Betreuungsplätze für unter dreijährige Kinder. Der Ausbau von Ganztagsschulen kommt nur langsam voran. Familienfreundliche Arbeitszeiten sind in vielen Unternehmen ein Fremdwort. Und vor allem junge Frauen müssen mit dem Risiko leben, dass ihnen nach einer Elternzeit der Wiedereinstieg in den Beruf erschwert oder verwehrt wird. DIE LINKE will deshalb den Kündigungsschutz für Eltern ausweiten, die Kindertagesbetreuung ausbauen, die Berufsrückkehr fördern und den Wechsel von Voll- auf Teilzeit sowie zurück besser ermöglichen. Lasst es uns zusammen angehen: Viel fordern, um viel zu erreichen.

Ausdrucken | Versenden