12.03.2017

Reparieren statt Wegwerfen in Chemnitz

beim Repair Café - ein Besuch mit Folgen

Michael Leutert

Hilfe zur Selbsthilfe, die zugleich Ausgaben spart, Ressourcen spart und Menschen verbindet - dass ich einem solchem Projekt meine Unterstützung zusagen würde, lag nah. Und das Repair Cafe des Stadthalten e.V. in Chemnitz Sonnenberg ist so ein Projekt. In ihm finden sich jeden Donnerstag ehrenamtlich Tätige zusammen, um mit und für Menschen nicht nur aus der nächsten Umgebung defekte Geräte zu reparieren. "Es geht um einen sensibleren Umgang mit Rohstoffen, den Austausch von Wissen und Fähigkeiten, das kollektive Finden von Lösungen zum Erhalt anscheinbar defekter Produkte", wie der Verein selbst schreibt. Doch es ist noch mehr: Sozial schwächeren Menschen, sich nicht mal eben etwas Neues kaufen können, wird so die Möglichkeit geboten, ihre Geräte wieder zum Laufen zu bringen.

Durch einen Zufall war ich auf das Projekt aufmerksam geworden. Ein nicht nur dort aktiver Chemnitzer war am Rande einer Besuchergruppenreise nach Berlin, an der er teilgenommen hatte, an mich herangetreten. Als ich erfuhr, worum es ging, war schnell klar, dass ich an mir selbst anschauen würde. Ich finde es toll, dass sich Menschen engagieren, um in ihrer freien Zeit mit oder sogar für andere Leute deren Sachen zu reparieren. Doch es ist wie überall: Auch ehrenamtliche Arbeit kostet Geld. Zwar kommen aus dem Stadthaushalt 5.000€, das deckt die Miete, aber bis das Geld kommt, weil der Haushalt erst von der Landesdirektion freigegeben werden muss, wackeln die zwei Werkstätten. Ich habe zugesagt, mich darum zu kümmern, damit sie einen Vorschusshaushalt für die Miete bekommen-

Es gibt weitere Probleme, aber auch neue Ideen, über die wir uns unterhalten haben. Ich möchte gerne dazu beitragen, dass dieses Projekt langfristig auf festen Beinen stehen und auch zeitlich - aktuell hat das Repair Café nur donnerstags von 15 Uhr bis 18 Uhr geöffnet - ausgeweitet werden kann. Nicht über jedes ungelegte Ei möchte ich hier berichten, bevor ich weiß, ob eine Idee trägt. Aber ich kann versichern, dass ich meine Kontakte nutzen werde, zum Beispiel, damit Kooperationen mit Einrichtungen aus Chemnitz, mit denen es möglicherweise trotz unterschiedlicher Aufgaben und Zielsetzungen gemensame Schnittmengen gibt, in Gang kommen. Auf jeden Fall werde ich auch mit Miko Runkel über das Thema Abfallentsorgungs- und Stadtreinigungsbetrieb der Stadt Chemnitz (ASR) und Wertstoffhöfe reden. Die Ehrenamtlichen vom Verein möchten diese betreten dürfen, um ein paar Ersatzteile für die Arbeit im Verein auszubauen. Wer weiß, wie viel teils sogar noch funktionierende Elektrogeräte dort weggeworfen werden, weiß auch, dass dies eine doppelt sinnvolle Idee ist, weil Dinge nicht nur wiederverwendet werden, sondern andere Dinge nicht weggeschmissen werden müssen.
Sofort lässt sich zudem ein Kontakt zu den Eisenbahnfreunden Richard Hartmann e.V. herstellen. Zu ihnen habe ich seit Jahren einen guten und engen Kontakt. Mehrmals ist es gelungen, Fördermittel des Bundes für die historische Seilablaufanlage in Hilbersdorf zu gewinnen. Sie kennen sich mit dem Thema also aus und können vielleicht wichtige Tipps geben.
Ich hoffe, dass wir möglichst viel der bei meinem Besuch besprochenen Punkte realisieren können, und ich freue mich auf meinen nächsten Besuch.

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