09.03.2018

Besuch am Goethe-Gymnasium

Michael Leutert
Goethe Gymnasium

Besuch am Goethe-Gymnasium

Das Goethe-Gymnasium in Chemnitz, das sind rund 800 Schüler*innen sowie 60 Lehrer*innen. Eine davon hatte mich in ihren Gemeinschaftskundeunterricht in eine 9. Klasse eingeladen. Mir geht es immer darum, deutlich zu machen, dass Politiker*innen auch nur Menschen sind, mit den gleichen Alltagsproblemen wie jeder sie hat. Das vor Jugendlichen zu tun, finde ich besonders spannend. 

Zunächst habe ich erzählt, wie ich zur Partei und in den Bundestag gekommen bin und welche Aufgaben ich dort habe. Interessanterweise wurde die Atmosphäre schlagartig offener, als ich vorschlug einmal anzunehmen, das Wahlalter sei herabgesetzt worden und sie könnten schon morgen mitentscheiden. Anhand verschiedener Themen wie "Mehr Geld für Familien“ oder „Wie weiter in der Schulpolitik?“ kamen wir gemeinsam zum Kern von Politik: dem Austausch über und das Aushandeln dessen, was wichtig ist. Für mich als LINKEn steht soziale Sicherheit als Grundbedingung für ein freies und selbstbestimmtes Leben ganz oben. Es braucht eine klare Vorstellung von Gesellschaft, um eine Orientierung im politischen Denken und Handeln zu haben. Dass dabei mancher, auf den ersten Blick naheliegender Gedanke im Weiteren alles andere als das Gewollte verwirklicht, habe ich am Beispiel des Solidaritätszuschlages verdeutlicht. AfDund FDP wollen diesen aufkündigen und argumentieren, dass so die Bürger*innen mehr Netto vom Brutto in der Tasche haben. Was sie nicht beantworten: wo die 16-17 Mrd. EURO an fehlenden Steuereinnahmen herkommen sollen. Einsparpotential sehen diese Parteien im Bereich der Sozial- und Entwicklungspolitik – und dies werden wir als LINKE nicht hinnehmen. 

Andersrum darf sich aber linke Entwicklungspolitik nicht in einem „Mehr Geld!“ erschöpfen. Wenn etwa der Monatslohn eines Verwaltungsangestellten in einer Krisenregion so gering ausfällt, dass er mit seiner Familie davon nicht leben kann, wundert es nicht, wenn da Gelder »verschwinden«. Daraus allerdings abzuleiten, Hilfsgelder zu kürzen oder gar zu streichen, sind populistische Forderungen, denen ich ganz klar widerspreche. Entwicklungshilfe muss zielgerichtet investiert und nicht per Gießkanne ausgeschüttet werden!

Was ich den Schüler*innen zu vermitteln suchte, ist etwas ganz Grundlegendes: politisches Handeln hat Konsequenzen. Gerade die unerwünschten Folgen von Maßnahmen machen eine verantwortungsvolle, vernunftgeleitete und vorausdenkende Politik unabdingbar. Und unsere Partei ist diejenige, die bei alledem das Wohl derer im Blick hat, die sich nur schwer selbst vertreten oder gar nicht wehren können.

Dass ich die Gelegenheit dazu bekam, verdanke ich übrigens so engagierten Lehrer*innen wie Frau Dalljo, die aus eigenem Antrieb heraus Politiker*innen wie mich einladen. Vorgesehen ist das nämlich im sächsischen Lehrplan nicht. Dabei brauchen wir dieses Wissen, denn nur so kommen wir zu mündigen Bürger*innen, die den Wert der Demokratie anerkennen und nicht hereinfallen auf dumme Parolen.

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