08.03.2019

Der Frauenkampf*tag und Europa

Michael Leutert

Zum internationalen Frauentag gratuliere ich allen Frauen und besonders meinen Chemnitzer Genossinnen auf das Herzlichste. Dennoch, uns allen bleibt viel zu tun!

Vor wenigen Wochen feierten wir 100 Jahre Frauenwahlrecht, in wenigen Wochen begehen wir den Frauenkampftag. Noch ein paar Wochen drauf steht die Europawahl an - und die drei Daten haben mehr miteinander gemein, als im ersten Moment gedacht.

Denn zur Europawahl treten in der ganzen EU - nicht nur die AfD hier in Deutschland - Parteien an, die die Erfolge der Kämpfe um Emanzipation ungeschehen machen wollen. Fidesz in Ungarn, PiS in Polen, Lega Nord in Italien, Vlaams Belang in Belgien, der Rassemblement National  (vormals Front National) inFrankreich, UKIP in England, FPÖ in Österreich - nur um die bekanntesten zu nennen. Sie eint das Ansinnen, genau die Institution zu zerschlagen, für die sie sich wählen lassen. Eine weitere ideologische Klammer ist der ausgeprägte Antifeminismus. Was ist damit gemeint? Unter dem Begriff Antifeminismus ist die Ablehnung von Gleichberechtigung und gesellschaftlicher Teilhabe von Frauen zu verstehen. Weitergehend richtet sich Antifeminismus ebenso gegen die Emanzipation der LGBTI-Bewegung (dt. Abk. für Lesbisch, Schwul, Bisexuell, Transgeschlechtlich/Transgender und Intergeschlechtlich).

Ein gern bedientes Feindbild ist das so bezeichnete „Gender-Gaga“. Man(n) inszeniert sich als Opfer einer herbeifantasierten Verschwörung. Männer seien immer stärker benachteiligt und überhaupt gäbe es ja keine richtigen Männer mehr. Und genau aus diesen „Gründen ist man gewillt, das Rad der Zeit zurückzudrehen: Mann geht arbeiten, Frau steht am Herd, viele Kinder, gottesfürchtig. Das ist im antifeministischen Denken das einzig zulässige Familienbild. Ein Wahngebäude, dass mit der Realität von Gesellschaft nicht viel zu tun hat, aber da wo besagte Parteien die Regierung stellen, durchgesetzt werden soll.

Auch außerhalb der Parlamente und Parteien gibt es wirkmächtige Netzwerke. Europaweit organisiert und mit beachtlichen Ressourcen ausgestattet, widmen sie sich ganz dem gesellschaftlichen Rückschritt. Hier wäre etwa „Agenda Europe“ zu nennen, dessen in Deutschland aktive Teile „Zivile Koalition“ (ein AfD-naher Verein mit Beatrix von Storch an der Spitze) oder die „Demo für Alle“ (deren Initiatorin Hedwig von Beverfoerde eine Wegbegleiterin von Beatrix von Storch ist) dem Einen oder der Anderen ein Begriff sein werden. Diese Organisationen sind wiederum bestens vernetzt mit neu- und altrechten Kreisen, von der Identitären Bewegung bis hin zur NPD. Wer mehr zu Kampfbegriffen und Strukturen dieser Netzwerke wissen möchte, kann viel im „Diskursatlas“ von Andreas Kemper erfahren.

Europa und der Kampf um Gleichberechtigung gehören zusammen! Wo wir die Debatte verlassen und meinen, es sei schon alles gesagt und getan, machen sich rückwärtsgewandte Kräfte breit. Wir können nicht zulassen, dass die jetzige EU, bei all ihren Fehlern, auseinander bricht. Wir müssen für ein solidarisches Europa einstehen - und dass heißt auch, die feministischen Kämpfe um Gleichberechtigung konsequent weiterzuführen!

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