11.03.2019

Zum Thema: "Trauerminute" für einen Neonazi

Michael Leutert

Was am 9.3. im Chemnitzer Stadion zu sehen war, ist das Ergebnis jahrelanger Verharmlosung und Normalisierung rechtsradikaler und neonazistischer Umtriebe im Umfeld des CFC. Unbehelligt von der Stadion-Security wurde in einer Choreographie mitsamt Durchsage des Stadionsprechers und einem Porträt auf der Stadionleinwand  Thomas Haller „gedacht“ - einem der führenden Köpfe der lokalen Neonaziszene.

Die neugegründete Chemnitzer FC Fußball GmbH stellt nun selbst Strafanzeige, damit im Zuge der Ermittlungen geklärt werden kann, wie es überhaupt dazu kam, dass die Choreographie stattfinden konnte. Das zeigt nur umso deutlicher: Die Stadt und der CFC haben das Problem überhaupt nicht im Griff, entgegen aller Beteuerungen und Statements.

Im Umfeld des CFC finden sich seit Jahren gefestigte Neonazistrukturen, mittlerweile in der dritten Generation, wie ein Hintergrundartikel vom Rechten Rand zeigt. Davor kann kein Mensch mehr die Augen verschließen und behaupten, Fussball ist doch unpolitisch.

Dass "nur" Kondolenz unpolitisch und vom Leben des Verstorbenen zu trennende Trauer sei, zeigen jedoch zahlreiche Statements. Ein weiterer Beweis dafür, wie angekommen und normal harte Nazi-Ideologie in der Kurve ist.

Was jetzt folgen muss, das sind echte Konsequenzen. Das die Sparkasse Chemnitz sich als Hauptsponsor zurückzieht und der Geschäftsführer des CFC zurückgetreten ist, begrüße ich. Ich sage aber auch ganz deutlich, dass das nur erste Schritte sein können.

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