01.11.2008

Was wird aus dem Volksfestplatz?

Umzug kaum durchsetzbar

Michael Leutert

Der Schaustellerverband hatte Mittwoch zu einem Treffen geladen und viele waren gekommen. Es ging um die Zukunft des Volksfestplatzes an der Hartmannstraße. Der Hintergrund der ganzen Debatte ist bekanntlich der Wunsch der Möbelhauskette Porta in Chemnitz eine neue Niederlassung zu errichten. Da die von der Stadt angebotenen Standorte aus verschiedenen Gründen von Porta abgelehnt wurden, hat Porta als Alternative den Hartmannplatz ins Gespräch gebracht. Da der Hartmannplatz aber als Volksfestplatz genutzt wird, hat die Stadtverwaltung prüfen lassen, an welcher Stelle ein neuer Volksfestplatz überhaupt möglich wäre. Dabei wurden verschiedene Varianten untersucht. Die von der Stadt gewünschten zentrumsnahen Standorte sind allesamt nicht möglich, da Aufgrund von Lärmschutzbestimmungen keine Wohnbebauung in der Nähe sein darf. Bei korrekter Beachtung der Lärmschutzvorgaben dürfte ein neuer Volksfestplatz nur an einer Stelle errichtet werden, bei dem im Umkreis von mindestens 500 Metern keinerlei Wohnungen liegen. Das ist in einer Stadt wie Chemnitz jedoch kaum umsetzbar, da solche Abstände nirgends eingehalten werden könnten. Aufgrund dieser Untersuchung käme die Chemnitz-Arena als einziger Platz infrage, wo ein Volksfestplatz, allerdings mit großen Einschränkungen, überhaupt neu errichtet werden könnte. Der jetzige Standort auf dem Hartmannplatz entspricht den Lärmschutzbestimmungen zwar auch nicht, genießt jedoch Bestandsschutz. Die Einschränkungen am Standort Chemnitz-Arena sind nach meinem jetzigen Kenntnisstand gravierend, die Anzahl der Fest müsste stark eingeschränkt werden und eine regelmäßige Nutzung wäre nur bis 20 Uhr bzw. 22 Uhr möglich. Aus diesen und weiteren Gründen ist ein Umzug des Volksfestplatzes zur Chemnitz-Arena nicht vertretbar. Was die Lärmschutzbestimmungen allgemein angeht, gibt es hier einen grundlegenden Widerspruch zwischen dem Ruhebedürfnis von Menschen und der Notwendigkeit "Leben" in die Chemnitzer Innenstadt zu bringen. Eine lebendige Stadt ist die Voraussetzung dafür, überhaupt von einer Stadt als solches reden zu können. Das dies mit einem gewissen Lärmpegel verbunden ist, liegt in der Natur der Sache. Wenn ich mir Freitag oder Samstagabend ab 19 Uhr die menschenleeren Straßen anschaue und diese mit Leipzig, Dresden oder Berlin vergleiche, wird deutlich, warum Chemnitz gerade für jüngere Menschen kaum Attraktivität besitzt. Da stellt sich dann natürlich die Frage nach der Sinnhaftigkeit eines Volksfestplatzes in einem Gewerbegebiet wie dem Areal der Chemnitz-Arena. Doch gerade Beschwerden wegen Lärm sind ein Grund, warum in der Innenstadt selbst relativ wenig los ist. Da gab es in der Vergangenheit bereits heftige Auseinandersetzungen, erinnert sei hier nur an das Brauereifest. Insofern ist der Bestandsschutz für den Hartmannplatz nicht zu unterschätzen, da hier, wenigstens rechtlich gesehen, eine gewisse Sicherheit besteht. Die Frage, wie es weitergeht mit Porta, bleibt dabei ungeklärt. Interessant ist jetzt nur, dass nach einem Bericht der Morgenpost, die Oberbürgermeisterin Babara Ludwig mittlerweile unter Beschuss aus den eigenen Reihen steht. Für den Bundestagsabgeordneten der SPD Detlef Müller ist die Meinung der OB nicht nachvollziehbar. Frau Ludwig hatte am 22. Oktober mitgeteilt, dass für sie nur der Hartmannplatz als Standort für Porta infrage kommt.

Ausdrucken | Versenden