01.04.2019

Politik im Gespräch: Mit Melissa Roscher vom Kreisjugendring Erzgebirge e.V.

Michael Leutert

Zum ersten Termin der sachsenweiten Marktplatzgespräche am 29.03. in Annaberg-Buchholz hatte ich Gelegenheit, ein interessantes Gespräch mit Melissa Roscher zu führen. Sie ist angestellt beim Jugendmanagement des Kreisjugendrings Erzgebirge e.V. und dort unter anderem für die Durchführung der U18-Landtagswahlen zuständig.

Wir sprachen über die Schwierigkeiten, vor denen die Kinder- und Jugendarbeit im ländlichen Raum steht. Aber auch über die schönen Momente, wenn man sieht, dass sich junge Leute politisch engagieren. Beides ist mir selbst noch vertraut aus meiner Zeit in Mittweida. Im selbstgegründeten und selbstorganisierten Jugendverein habe ich selbst das politische Handwerk gelernt. Und das sagte ich den jungen Menschen, die zum Gespräch anwesend waren: Fragt nicht erst, kommt diese oder jene Demo vielleicht mal nach Annaberg - macht sie einfach selbst! Ja, da kann mal was schief gehen, aber Fehler haben wir am Anfang alle gemacht und hinterher ist man immer schlauer. Bringt euch ein und gestaltet die Gesellschaft mit, denn es ist eure Zukunft, um die es geht.
Aufgrund des Kooperationsverbotes zwischen Bund und Kommunen sind mir als Haushaltspolitiker leider ein ganzes Stück die Hände gebunden. Zwar fordert unsere Fraktion schon seit Jahren eine Aufstockung der Mittel im Kinder- und Jugendplan (KJP) des Bundes als eines der wenigen Förderinstrumente, bei denen die kommunale Ebene wenigstens indirekt erreicht werden kann. Aber auch das wäre nur ein Tropfen auf den heißen Stein, weil die über den KJP ausgereichten Mittel zu großen Teilen bei den ebenso großen Trägern landen. Kleine Vereine und Gruppen, wie etwa der Kreisjugendring im Erzgebirge, bleiben dabei faktisch außen vor. Was es also braucht ist eine große Lösung der Neuregelung der Bund-Länder-Finanzen und eine Lockerung des Kooperationsverbotes, wie sie es schon in anderen Bereichen gibt. Nur so können wir zu einer tatsächlich kostendeckenden Ausgestaltung der kommunalen Kinder- und Jugendpolitik gelangen.

Dennoch, zuletzt kommt es immer wieder auf die engagierten Leute vor Ort wie Melissa Roscher an, die mit diesen Geldern dann auch etwas Sinnvolles anfangen. Darum an dieser Stelle meinen Dank und meinen Respekt an alle, die eine demokratische und auf Toleranz und Weltoffenheit basierende Jugendarbeit in der Fläche ermöglichen!

Ausdrucken | Versenden