16.01.2020

Organspende: Doppelte Widerspruchslösung abgelehnt

Michael Leutert

Heute hat der Deutsche Bundestag den Entwurf zur doppelten Widerspruchslösung zur Organspende abgelehnt. Damit ist eine wichtige und dringliche Gelegenheit vertan, ein gesellschaftliches Bewusstsein zum Thema Organspende herzustellen. Im vorliegenden Gesetzesentwurf von Minister Spahn und meiner Fraktionskollegin Petra Sitte ging es nie um einen Zwang zur Organspende. Es geht im Kern um die Frage, ob ein Staat eine Entscheidung zur Organspende von seinen Bürgerinnen und Bürgern verlangen darf. Ich finde es nach wie vor zumutbar und angemessen, dass sich jeder Einzelne darüber Gedanken macht. Nicht nur, weil wir es in anderen Bereichen auch tun, mögen sie auch nicht so sensibel sein. Besonders jedoch, weil diese Entscheidung unzählige Menschen betrifft, die so dringlich auf ein passendes Ersatzorgan warten.

Der vom Bundestag angenommene Alternativentwurf ist im Wesentlichen ein Weiter-so-wie-bisher. Ich denke nicht, dass das genügend Anreiz ist, die Zahl der Organspenden zu erhöhen. Denn wie oft bleiben die Organspendeausweise unausgefüllt dort liegen, wo sie eben zu finden sind? Sie haben nicht zu dem gewünschten Erfolg geführt.

Es sterben jährlich viel zu viele, die auf ein Organ warten. Bei einem Herzfehler hat man keine sechs Jahre mehr, bis man an der Reihe wäre. Nach der heutigen Entscheidung weiß ich nicht, wie ich den betroffenen Menschen und ihren Familien erklären soll, dass sich für sie nichts ändern wird. Dass das Einzige was ihnen bleibt, nach wie vor die allein die Hoffnung ist, rechtzeitig einen Anruf zu erhalten.

Ausdrucken | Versenden