07.01.2009

Zoff um Podiumsdiskussion zu Afghanistan - Oberst sagt Termin wegen fehlender Einladung ab

Freie Presse, Lokalausgabe Mittweida, vom 7. Januar 2009

Oliver Hach

Frankenberg/Brand-Erbisdorf. Kommt er oder kommt er nicht? Vor der für heute Abend, 18.30 Uhr angekündigten Podiumsdiskussion zum Bundeswehreinsatz in Afghanistan ist unklar, ob der Dialog im Stadthaus Brand-Erbisdorf überhaupt zustandekommt. Oberst Michael Haller, der auf Einladung der dortigen Friedensinitiative mit dem Linke-Bundestagsabgeordneten Michael Leutert über pro und kontra Bundeswehr am Hindukusch diskutieren sollte, erklärte gestern, er habe bislang keine offizielle Einladung erhalten. Daher stehe er für die Veranstaltung nicht zur Verfügung. Die Organisatoren gingen indes weiter davon aus, dass Haller kommen wird. "Eine gewisse Kleiderordnung sollte schon eingehalten werden", sagte der stellvertretende Kommandeur der Panzergrenadierbrigade 37 der "Freien Presse". Prinzipiell sei er bereit, sich der Debatte zu stellen - aber nicht unter diesen Bedingungen. Er werde statt dessen zur selben Zeit am Neujahrsempfang im thüringischen Gotha teilnehmen. Haller kritisiert darüber hinaus, es sei fragwürdig, wenn es bei einer Diskussionsrunde - wie offenbar vorgesehen - keinen neutralen Moderator gebe. Zudem sei unklar, was die Organisatoren überhaupt wollten. Im Vorfeld der für heute ebenfalls angemeldeten Demonstration in Frankenberg sei bei einem Gespräch im Rathaus klar geworden, dass es nicht nur um Afghanistan und die derzeit laufenden Übungen in der Region gehe: "Es gibt Leute, die sind generell gegen die Bundeswehr in Frankenberg." Mit denen, so Haller, werde er sich nicht an einen Tisch setzen. Außerdem befürchtet der Oberst, dass die Veranstaltung von der Partei Die Linke für den beginnenden Wahlkampf missbraucht werden könnte.
Bei der Friedensinitiative, deren Aktivisten gestern zum zweiten Mal mit Kerzen vor dem Brand-Erbisdorfer Rathaus standen, war man überrascht. Er habe bereits vor Weihnachten über das Bundeswehr-Landeskommando in Dresden angefragt und eine telefonische Zusage
erhalten, sagte Friedensaktivist Lars Kleba. Als er erfahren habe, dass Oberst Haller eine schriftliche Einladung wünsche, habe er am Montag eine E-Mail geschickt. Die sei allerdings wegen eines Fehlers beim Eintippen der Adresse nicht angekommen. Er habe die E-Mail gestern Nachmittag noch einmal geschickt; der Empfang sei ihm bestätigt worden, so Kleba. Nach Rücksprache mit dem Presseoffizier gab er sich optimistisch: "Es klang für mich wie eine Zusage."

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