07.01.2009

Für den Kampfeinsatz: Armee probt den Krieg im Erzgebirge

Chemnitzer Morgenpost /Sächsische Zeitung-online, 7.1.2009

cka

FRANKENBERG/MARIENBERG - Wieder rollen Bundeswehrlaster durchs Erzgebirge, Soldaten mit Sturmgewehren patrouillieren in Dörfern, proben so in der Region den gefährlichen Einsatz in Afghanistan. Friedensinitiativen laufen dagegen Sturm, gehen heute auf die Straße.

Mit dem Panzergrenadierbataillon 371 aus Marienberg und dem Frankenberger Brigadestab 37 rückten mehr als 120 Soldaten in voller Kampfmontur im Erzgebirge an - Marienberg, Pfaffroda, Frankenberg, Flöha, Brand-Erbisdorf. Seit Tagen läuft die erste von drei Übungen. Dabei stapfen die Kämpfer bis Freitag durch Schnee, über Felder und errichten Kontrollpunkte in friedlichen Dörfern und Städten - einfache Bürger mutieren zu Taliban-Statisten. Denn im März geht es zum ISAF-Einsatz in den Norden Afghanistans. Hauptmann Daniel Kruschinski (29): „Die gesamte Kompanie ist im Erzgebirge unterwegs, probt den Ernstfall.“

Ein beängstigendes Szenario, finden die Erzgebirger und laufen Sturm gegen die Schnee-Manöver. „Die schlagen hier Zelte auf und spielen Krieg“, schimpft ein Mann aus Pfaffroda. Erika Drechsel (69) geht noch weiter: „Mit Gewehren und großen Lastern rücken die an. Ich bin gegen die Aktion. Wir wissen doch, was Krieg anrichtet.“ Morgen (16 Uhr) versammeln sich Manöver-Gegner zum Protestmarsch durch Frankenberg, danach zur Diskussion im Stadthaus Brand-Erbisdorf.

Hubert Gintschel (59), Linke-Fraktionsvorsitzender aus Chemnitz: „Wir können nicht akzeptieren, dass wieder auf Krieg als Mittel der Politik gesetzt wird.“ Parteikollege Michael Leutert (34, sitzt im Bundestag) wird am Protestmarsch teilnehmen: „Ich freue mich auf die Debatte mit dem Presseoffizier, da dort endlich der Bürger einbezogen wird.“ Auch Lars Kleba (32, Linke), Stadtrat von Brand-Erbisdorf, ruft seit Wochen zum Protest auf: „Patrouillieren können sie in der Kaserne. Es liegt die Annahme nahe, dass die Bürger an Bundeswehrpräsenz gewöhnt werden sollen.“

Ausdrucken | Versenden