04.02.2009

Krisenstimmung bei Kleingärtnern

immer mehr Chemnitzer können sich ihren Garten nicht mehr leisten

Michael Leutert

Rund 20 000 Kleingärtner gibt es in Chemnitz. Mit über 200 Kleingartenanlagen sorgen sie für eine grüne Stadt und bieten den Einwohnern der Stadt zahlreiche Naherholungsgebiete unmittelbar vor der Haustür. Das Problem ist nur, dass mittlerweile 2 000 Kleingärtner sich die Pacht für ihren Garten nicht mehr leisten können und um Ratenzahlung gebeten haben. Tendenz steigend. Mit 150 bis 300 Euro Jahrespacht sind jedoch noch nicht alle Kosten gedeckt, hinzu kommen noch diverse Gebühren und Extraausgaben. Mit dem Ratenzahlungsangebot versuchen die Kleingartenvereine zur Zeit Kündigungen zu vermeiden. Grundsätzlich lösen lässt sich das Problem damit jedoch nicht. Immer mehr Gartenbetreiber sind von Armut und Arbeitslosigkeit betroffen und können sich die Ausgaben für einen Kleingarten nicht mehr leisten. Mit dem Voranschreiten der Wirtschaftskrise wird diese Tendenz zunehmen.
Das Paradoxe ist, dass durch Bevölkerungsrückgang und Stadtumbau immer mehr Brachen entstehen, welche entweder der Eigentümer oder die Stadt in eine Grünfläche umwandeln muss, da andere Verwertungsmöglichkeiten kaum existieren. Auf der anderen Seite stehen Menschen, welche ihren Garten verlieren oder sich erst gar keinen zulegen, weil ihnen das dafür notwendige Geld fehlt. Dabei gibt es in Chemnitz Fläche ohne Verwendungszweck im Überfluss. Kapitalismus eben, nicht um die Bedürfnisse der Menschen geht es, sondern um Verwertung und Profit. Wo kein Mehrwert realisiert werden kann, hat der Mensch das Nachsehen.

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