10.03.2009

Heftige Diskussionen ums SEKO

Die Ursachen liegen tiefer

Michael Leutert

Das Chemnitz ein Leerstandsproblem hat, ist nicht neu. Das Thema steht seit über 10 Jahren auf der Tagesordnung. Um so schwerwiegender ist, dass es seit dieser Zeit einen zentralen Denkfehler im Umgang mit diesem Problem gibt. Noch immer wird versucht, Lösungen von oben nach unten zu kommunizieren und durchzusetzen. Das ganze Elend begann schon bei der Kür des neuen Slogans für die Stadt. "Chemnitz - Stadt der Moderne". Bereits damals gab es die Forderung, die Entwicklung eines Slogans an den Ende des Prozesses zu setzen und nicht an den Anfang. Wenn die Einwohner sich mit einem Slogan oder gar mit einem ganzen Stadtentwicklungskonzept identifizieren sollen, dann müssen sie auch von Anfang an in den Entstehungsprozess einbezogen werden. Zwar fanden für das neue SEKO eine handvoll Zukunftswerkstätten statt, doch für eine Stadt mit über 240 000 Einwohnern reicht es eben bei weitem nicht aus. Die Diskussionen müssen in den Stadtteilen erfolgen, Konzepte mit den Einwohnern gemeinsam entwickelt werden. Das mag ein mühseliger Prozess sein, dafür würde aber auch am Ende ein Konzept stehen, mit dem sich die Menschen von Chemnitz auch identifizieren können. So wie der Prozess zur Zeit abläuft, kommt genau das Gegenteil heraus. Die Gegner und Befürworter von Alt- und Neubau liefern sich einen Schlagabtausch nach dem anderen, Stadtteile werden gegeneinander ausgespielt, das kommunale Wohnungsunternehmen GGG ist für alle der Buhmann und eine konstruktive Debatte ist nicht in Sicht. Die ist jedoch dringend erforderlich, wenn diese Stadt eine lebenswerte Zukunft haben soll.

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