09.06.2009

Europawahlbeobachtungen

Michael Leutert
wer fönt wen?

Hurra, da sind sie wieder: die Stimmen, die noch jedes Wahlergebnis zu einem großen Sieg für die eigene Partei erklären. Ich lasse hier lieber mal das Hausblatt ;-) der LINKEN, die BILD-Zeitung sprechen: "Linkspartei: Trotz der jüngsten Turbulenzen mit Parteiaustritten und heftigen Streit um den Kurs hat sich die Truppe von Oskar Lafontaine und Gregor Gysi achtbar geschlagen." Danke, für die Blumen, aber ich denke nicht, dass die LINKE ausschließlich Grund zur Freude hat. Auch unser Spitzenkandidat Lothar Bisky hat das so ausgedrückt, als er sich einerseits freute, dass die LINKE gewonnen habe, das Ergebnis uns andererseits aber zur kritischen Selbstreflexion auffordere. Das sehe ich ähnlich.

Noch mal zurück zum Anfang: Was mich zunehmend langweilt, sind die meist stereotypen Reaktionen nach Wahlen. (Fast) jede/r erklärt sich zum Sieger, auch wenn sich manche Deutungen gegenseitig ausschließen. Die Protagonisten folgen offenbar der These, dass WählerInnen gerne bei den Siegern sind, oder sie folgen der Hoffnung auf eine 'self fulfilling prophecy'. Doch welche Vorstellung von den WählerInnen liegt dem egentlich zugrunde? Die vom mündigen Bürger oder vom Bürger, dem man alles erzählen kann? - Zum Schluss: Sind wir LINKE in der Beziehung Heilige? Sicher nicht. Aber Bisky war am Sonntag nicht das erste Beispiel für eine Offenheit, die mir jedenfalls näher steht.

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