14.12.2009

Fernsehminister zu Guttenberg

oder: Wozu braucht die Demokratie ein Parlament?

Michael Leutert

Der Mann ist telegen, daran gibt es keinen Zweifel. Bundesverteidigungsminister zu Guttenberg weiß sich zu verkaufen: Sprache, Haltung, der Adelstitel verfehlen ihre Wirkung nicht. Die Medien lieben ihn und einige lieben es, dass sie ihn lieben können. Die BILD ist sein Hausblatt, Sonderstory reiht sich an Sonderstory.
Nun sind es aber schwere Zeiten für Guttenberg. Der Luftangriff in Afghanistan, bei dem über 140 Menschen starben, wird immer mehr zu seinem Problem. Die Frage ist, was Guttenberg wann wusste und ob Parlament und Öffentlichkeit wesentliche Informationen vorenthalten wurden. Im ARD-'Bericht aus Berlin' wurde u.a. auf einen Bericht der 'Süddeutschen Zeitung' Bezug genommen, der schwere Anschuldigigungen erhebt. Nur vom redegewandten Verteidigungsminister war bei der ARD leider nichts zu hören, das Ministerium habe keine Stellungnahme abgegeben...
Musste das Ministerium auch nicht. Gut eine Stunde später saß ein gewohnt souerän wirkender zu Guttenberg gemütlich bei Günther Jauchs rtl-Jahresrückblick und durfte sagen, was er sagen wollte. Kritische Nachfragen entsprachen nicht dem Format der Sendung und kamen auch nicht vor.
Nun gönne ich Herrn zu Guttenberg grundsätzlich seine Fernsehpräsenz. Wenn er angesichts einer Situation, in der das Parlament über einen sich immer weiter steigernden Skandal nicht oder nur scheibchenweise informiert wird, es vorzieht, seine Stellungnahmen dazu über das Boulevard-Fernsehen unter Umgehung des Parlaments ans gemeine Volk kundzutun, sollte sich Guttnmberg mal fragen, ob sein Adelstitel irgendwelche Nebenwirkungen hat.

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