29.03.2012

Mehr als 4 Millionen Arbeitslose

Zeit zu handeln statt zu tricksen

Die Linke

Schlechte Meldungen kann die Bundesregierung nicht gebrauchen. Deshalb bleibt sie dabei, die Arbeitslosenzahlen schön zu rechnen. Arbeitslose, die krank sind, einen Ein-Euro-Job haben oder an Weiterbildungen teilnehmen, werden bereits seit längerem nicht als arbeitslos gezählt. Viele der Arbeitslosen, die
älter als 58 sind, erscheinen nicht in der offiziellen Statistik. Im Mai 2009 kam eine weitere Ausnahme hinzu: Wenn private Arbeitsvermittler tätig werden, zählt der von ihnen betreute Arbeitslose nicht mehr als arbeitslos, obwohl er keine Arbeit hat. Wer die tatsächliche Arbeitslosigkeit erfassen will, muss ehrlich rechnen. Dazu sagte der damalige Arbeitsminister Olaf Scholz (SPD) am 4. Juni 2009 in der Fernsehsendung Panorama: „Alles, was an Effekten durch arbeitsmarktpolitische Maßnahmen entsteht, wird jedes Mal zusammen mit der Arbeitsmarktstatistik veröffentlicht. ... Ich glaube, dass man sich auf die Seriosität dieses Prozesses verlassen kann.“ Wer anders rechnen wolle, könne ja „seine Zahl veröffentlichen -und dazu ein Flugblatt drucken.“ Das tun wir gern. Hier ist die tatsächliche Zahl, die allein auf amtlichen Daten der Statistik der Bundesagentur für Arbeit beruht.

Im März 2012 waren immer noch mehr als 4 Millionen Menschen arbeitslos. Zeit zu handeln statt zu tricksen.

Tatsächliche Arbeitslosigkeit im März 2012 4.017.713
Offizielle Arbeitslosigkeit 3.027.957
Nicht gezählte Arbeitslose 989.756

Älter als 58, beziehen Arbeitslosengeld I und/oder ALG II 372.404
Ein-Euro-Jobs (Arbeitsgelegenheiten) 125.031
Fremdförderung 77.348
Beschäftigungsphase Bürgerarbeit 24.119
Berufliche Weiterbildung 147.308

Eignungsfeststellungs-u. Trainingsmaßnahmen (z.B. Bewerbungstraining) 34
Aktivierung und berufliche Eingliederung (z. B. Vermittlung durch Dritte) 143.181
Beschäftigungszuschuss (für schwer vermittelbare Arbeitslose) 8.573
Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen 351
Kranke Arbeitslose (§126 SGB III) 91.407

Quellen: Bundesagentur für Arbeit: Der Arbeits-und Ausbildungsmarkt in Deutschland. Monatsbericht März 2012, Seite 65. Die dort aufgeführte Altersteilzeit sowie Gründungszuschüsse und sonstige geförderte Selbstständigkeit haben wir in der Tabelle nicht berücksichtigt. Die dort ebenfalls aufgeführten älteren Arbeitslosen, die aufgrund verschiedener rechtlicher Regelungen (§§ 428SGB III, 65 Abs. 4 SGB II, 53a Abs. 2 SGB II u.a.) nicht als arbeitslos zählen, sind enthalten in der Gruppe Älter als 58, beziehen Arbeitslosengeld I oder ALG II. Diese große Gruppe der älteren ALG-Bezieher, die nicht als
arbeitslos gelten, ist mit Stand November 2011 in einer Sonderauswertung der Bundesagentur für Arbeit mit dem Titel „Bestand an nicht arbeitslosen erwerbsfähigen Leistungsberechtigten und Bestand an nicht arbeitslosen Empfängern von Arbeitslosengeld (bei Arbeitslosigkeit und Weiterbildung) im Alter von 58 Jahren und älter“ ausgewiesen.

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