01.04.2008

Ein unsäglicher Vergleich zur Krippenerziehung - Christa Müller spricht nicht für DIE LINKE

in 'Der Klare Blick, Linke Zeitung für Chemnitz' 4/08

Michael Leutert

Die saarländische Familienpolitikerin der LINKEN, Christa Müller, die seit Monaten durch konservative Positionen unsere Partei erstaunt und die Medien erfreut, hat die Krippenerziehung von Kindern mit der Genitalverstümmelung von Frauen und Mädchen verglichen.
Bei der ‚Genitalverstümmelung’ handelt es sich um traditionelle Praktiken in manchen Gegenden Afrikas, bei denen Mädchen und Frauen ohne Betäubung sowohl die inneren wie auch die äußeren Geschlechtsteile teilweise oder ganz entfernt werden. Es ist eine grausame Praxis, die als Menschenrechtsverletzung einzustufen ist und neben den irreparablen körperlichen auch schwere seelische Schäden mit sich bringt. Wenn Christa Müller allen Ernstes als Politikerin unserer Partei behauptet, dass die Erziehung von Kindern in Krippen ähnliche Schäden nach sich ziehe, verlangt dies nach scharfen Widerworten. Unser sächsischer Genosse und familienpolitischer Sprecher im Bundestag, Jörn Wunderlich, hat dazu alles Notwendige gesagt, als er diesen Vergleich entschieden zurückgewiesen hat. Als Obmann für Menschenrechte der LINKEN im Bundestag kann ich nur unterstreichen, dass hier das unermessliche Leid von Millionen Frauen weltweit zynisch missbraucht und kleingeredet wird, um unhaltbare Positionen zu rechtfertigen.
Wäre Christa Müller nicht die Ehefrau von Oskar Lafontaine, würde vermutlich niemand ihre Aussagen beachten und wir könnten sie als absurde Einzelmeinung abtun. So aber müssen wir in aller Deutlichkeit sagen: Christa Müller spricht nicht für DIE LINKE. Unsere Partei hat unter anderem auf ihrem Gründungsparteitag im Juni 2007 in dem Beschluss zur Kita-Kampagne unsere Position klar formuliert. Kinder lernen in Kitas in Gemeinschaft spielend, soziale Kompetenzen zu erwerben, Solidarität zu üben und zu erfahren, Integration als Bereicherung zu empfinden sowie Egoismus und Konkurrenz als unsolidarisch zu erkennen.
Institutionelle Kindererziehung kann und soll elterliche Liebe und Erziehung nicht ersetzen. Aber sie kann einen wichtigen Beitrag zur allseitigen Persönlichkeitsentwicklung von Kindern leisten. Wenn unsere Positionen von einer Politikerin der LINKEN wieder und wieder in Abrede gestellt werden, ist es an uns zu betonen, dass DIE LINKE für eine fortschrittliche, emanzipatorische Familienpolitik steht.

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