Michael Leutert
Foto: a.m.
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Gestern musste ich mich mal wieder so richtig aufregen.
Die CDU/CSU/FDP-Bundesregierung will für ihr Sparpaket vor allem massiv im Sozialbereich kürzen, also bei denen, die sowieso schon nichts haben. Auch gestern wurde dafür die alte Phrase bemüht, dass "Arbeitsanreize geschaffen" werden sollten.Oder anders: Wer keine Arbeit hat, sei nur zu faul.
Dazu meine Frage: In meinem Wahlkreis Chemnitz sind über 60% der Alleinerziehenden auf Hartz IV angewiesen. Über 60%!! Haben die alle keine Lust zu arbeiten? Sind die alle zu faul? Oder kann es vielleicht sein, dass es einfach viel zu wenig Arbeitsplätze gibt und Alleinerziehende, die auch mal wegen ihrer Kinder fehlen müssen, schlechte Chancen haben, eine Arbeit zu bekommen? ...zumal sie ja öfters auch eine berufliche Pause einlegen wollten oder mussten. Mit der geplanten Maßnahme trifft Schwarz-Gelb letztlich diejenigen, die am allerwenigsten für ihre Lage können - kleine Kinder in sozial schwachen Familien.
Soll mir bitte niemand erzählen, dass Frau Merkel, Herrn Westerwelle und den anderen nicht bewusst ist, was sie da machen. Soll mir niemand erzählen, dass sie nicht wissen, dass diese Maßnahme die soziale Spaltung unserer Gesellschaft weiter vertieft und noch dazu ökonomisch - Stichwort Binnenkonjunktur - kontraproduktiv ist.
Aber warum plant Schwarz-Gelb dann diese Kürzungen? Warum sind sie - aus ihrer Sicht - nicht wenigstens taktsich so geschickt, die Steuergeschenke aus dem letzten Winter für die Hotelerie rückgängig zu machen, um die soziale Schieflage ihrer Pläne zu verschleiern? Mein Verdacht: Bei Schwarz-Gelb ersetzt inzwischen Ideologie ökonomische Analyse und Klientelpolitik ist an die Stelle politisch und gesellschaftlich verantwortungsvoller Entscheidungen gerückt. Kein gute Entwicklung - leider.